Wirtschaft : Bayer-Schering baut Vertrieb um

Berlin könnte 170 Stellen verlieren

Corinna Visser

Berlin - Bei Bayer konkretisieren sich die ersten Pläne, nach der Integration von Schering Arbeitsplätze von Berlin an den Bayer-Stammsitz Leverkusen zu verlagern. „Der Deutschlandvertrieb von Schering, die Schering Deutschland GmbH, wird in die Bayer Vital integriert“, sagte ein Bayer-Sprecher am Mittwoch dem Tagesspiegel. „Es gibt Pläne, Mitarbeiter von Berlin nach Leverkusen zu versetzen und umgekehrt“, sagte ein Sprecher von Schering. Zahlen und einen Zeitpunkt nannten beide Sprecher jedoch nicht.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet aus Unternehmenskreisen, dass die Verlagerung des Schering-Deutschlandvertriebs in der Hauptstadt rund 270 Arbeitsplätze kosten werde. Ein mit den Planungen Vertrauter sagte Reuters, zugleich würden etwa 100 Stellen aus Leverkusen und Wuppertal nach Berlin verlagert. Unter dem Strich würde Berlin demnach voraussichtlich 170 Stellen an Leverkusen verlieren. Die Sprecher von Bayer und Schering wollten dies nicht kommentieren. Bisher sitzt der Schering-Deutschlandvertrieb in Berlin-Charlottenburg und beschäftigt 400 Mitarbeiter, rund die Hälfte davon im Außendienst.

Noch können Bayer und Schering die Integration nicht aktiv betreiben. Der von der außerordentlichen Hauptversammlung Scherings gebilligte Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag muss noch in das Handelsregister eingetragen werden. Die Eintragung ist noch nicht erfolgt, weil Aktionäre Einspruch gegen den Vertrag eingelegt haben. Insgesamt soll die Übernahme Scherings durch Bayer weltweit rund 6000 Arbeitsplätze kosten. Schering beschäftigt hierzulande rund 10 000 Menschen, 5600 davon in der Hauptstadt. Berlin soll Sitz der Hauptverwaltung der Bayer Schering Pharma AG werden.

Um die Integration voranzutreiben, setzt Bayer-Chef Werner Wenning auf die frühe Besetzung der entscheidenden Stellen auch im mittleren Management. Dadurch soll das Unternehmen frühzeitig ein gemeinsames Geschäftsmodell entwickeln können. Wenning verspricht, dass bei der Stellenvergabe nicht vorrangig Bayer-Manager zum Zuge kommen. „Unser einziges Kriterium ist die Frage: Wer ist der Beste für den Job? Und nicht, ob man von Bayer oder Schering kommt“, sagte Wenning bei einer Handelsblatt-Veranstaltung in Frankfurt am Main.

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