Wirtschaft : Bayer schließt Verkauf der Diagnostik-Sparte aus

Konzern dämpft Sorgen vor höherem Jobabbau bei Schering – Betriebsrat fordert klare Ansagen

Maren Peters

Berlin - In seinem ersten öffentlichen Auftritt bei Schering hat Bayer-Chef Werner Wenning den hohen Kaufpreis verteidigt und versucht, die Furcht der Mitarbeiter vor einem höheren Stellenabbau in Grenzen zu halten. „Der Abbau von Stellen ist nicht erste Priorität“, sagte Wenning am Mittwoch in Berlin. Details zum Zeitplan und zur Verteilung zwischen Bayer und Schering nannte er nicht.

Die Sorge vor einem zusätzlichen Stellenabbau war aufgekommen, weil Bayer im Übernahmepoker mit Merck 16,9 Milliarden Euro und damit eine halbe Milliarde Euro mehr für Schering zahlen wird als ursprünglich geplant. Seit Dienstagabend steht fest, dass Bayer Schering übernehmen kann. Das Unternehmen hält 88 Prozent der Aktien. Erst mit 95 plus x Prozent der Anteile kann Bayer Schering von der Börse nehmen. Die verbliebenen Schering-Aktionäre können ihre Anteile vom 23. Juni bis 6. Juli an Bayer abgeben.

Wenning sagte, der Aufpreis sei bei einem Transfer dieser Größenordnung gerechtfertigt. Die Zusatzkosten könne das Unternehmen „durch eine Verbesserung der Performance des kombinierten Geschäfts mehr als kompensieren“. Spekulationen über einen möglichen Verkauf der Diagnostiksparte wies er zurück. Durch die Übernahme sollen ab 2009 jährliche Synergien in Höhe von 700 Millionen Euro erzielt werden. Wenning hatte zuvor angekündigt, dass 6000 Jobs wegfallen könnten. Die Kosten der Restrukturierung lägen bei einer Milliarde Euro.

Schering-Betriebsratschef Norbert Deutschmann fordert deutlichere Ansagen. „Noch vor der Sommerpause muss Wenning eine klare, anfassbare Aussage zum geplanten Arbeitsplatzabbau machen“, sagte er dem Tagesspiegel. „Die Nerven liegen blank.“ Headhunter führten schon Gespräche. Eine Reihe von Mitarbeitern – nicht nur aus der Top-Ebene, sondern auch aus der Forschung – haben Angebote und stehen in Warteposition. „Sollten sie das Unternehmen verlassen, könnte das die Entwicklung von neuen Medikamenten deutlich verzögern.“

Schering-Chef Hubertus Erlen versuchte gestern, ein guter Verlierer zu sein. „Ich sehe die Übernahme positiv.“ Erlen wird künftig einer von drei Vize-Aufsichtsratschefs des neuen Unternehmens Bayer Schering Pharma in Berlin werden. Den Vorsitz übernimmt Wenning. An der Spitze der Pharmatochter wird Arthur Higgins stehen, der auch Chef vom Bayer- Teilkonzern Healthcare bleibt. Der neue Vorstand soll im Anschluss an eine außergewöhnliche Hauptversammlung im September berufen werden.

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