Wirtschaft : Bayer sieht die Lipobay-Krise überwunden

Nach einem sehr guten Quartal passt der Pharmakonzern aus Leverkusen seine Gewinnziele für 2004 nach oben an

Tobias Symanski

Leverkusen - Drei Jahre nach der schwersten Krise in der Unternehmensgeschichte scheint der Pharmakonzern Bayer die Krise überwunden zu haben. Trotz stark gestiegener Rohstoffkosten und negativer Einflüsse durch den im Vergleich zum Dollar starken Euro verbesserte das Unternehmen sein Geschäft im dritten Quartal deutlich und hob die Gewinnprognose für das Gesamtjahr an. Von Juli bis September erreichte Bayer einen überraschend hohen Konzerngewinn von 34 Millionen Euro. Im gleichen Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch Verluste in Höhe von 123 Millionen Euro geschrieben. Die Bayer-Aktie gehörte am Donnerstag zu den größten Gewinnern im Dax.

Drei Jahre nach dem Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay wegen des Verdachts möglicher tödlicher Nebenwirkungen sieht Bayer-Chef Werner Wenning die Krise überwunden. Als Folge des Lipobay-Desasters musste der Konzern einen Rekordverlust in Milliardenhöhe hinnehmen, mehr als 10000 Arbeitsplätze abbauen und die größte Umstrukturierung in der über einhundertjährigen Firmengeschichte durchführen. Die Chemiesparte wurde in die neue Tochtergesellschaft Lanxess abgespalten und soll im Frühjahr an die Börse gehen. Auch das Pharmageschäft ist anders ausgerichtet worden. Mit der Übernahme des Geschäfts mit verschreibungsfreien Arzneimitteln des Schweizer Konkurrenten Roche will Bayer in die Gruppe der drei weltweit führenden Anbieter aufsteigen.

Das Wachstum im dritten Quartal sei sowohl auf höhere Mengen als auch auf steigende Verkaufspreise zurückzuführen, teilte Vorstandschef Werner Wenning am Konzernsitz in Leverkusen mit. Dadurch legte der Umsatz um 3,4 Prozent auf über sieben Milliarden Euro zu. Da der Konzern nach neun Monaten seine Ziele übererfüllt habe, legte Wenning die Messlatte für Gewinn und Umsatz im Gesamtjahr höher. So sei eine Steigerung von zehn Prozent beim bereinigten operativen Gewinn (Ebit) „bereits klar erreicht“. Der Zuwachs liege nach neun Monaten bei 27,6 Prozent.

Marktbeobachter werteten die Bayer-Zahlen positiv und stellten vor allem dem zuletzt stark kränkelnden Pharmabereich ein positives Zeugnis aus. „Beim jahrelangen Problemkind Pharma gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer", sagte Analyst Michael Butscher von der Bayerischen Landesbank. Auch Andreas Theisen, Analyst bei der WestLB, zeigte sich positiv davon überrascht, dass die stärkere Konkurrenz beim Antibiotikum Ciprobay nicht so hart durchgeschlagen habe wie erwartet. Ciprobay war lange einer der wichtigsten Produkte für Bayer, hatte in den vergangenen Monaten aber empfindliche Umsatzeinbußen in den USA verzeichnet, weil der Patentschutz ausgelaufen ist.

Die Dauerbelastung um Lipobay sieht Konzernchef Wenning weitgehend überwunden. Nach seinen Angaben gibt es weltweit noch über 7100 Klagen. Für die überwiegend in den USA anhängigen Vergleiche zahlte Bayer bisher nach eigenen Angaben rund 1,1 Milliarden US-Dollar (1,4 Milliarden Euro). Insgesamt gab es nach Bayer-Angaben weltweit 14 570 Klagen wegen Lipobay.

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