Wirtschaft : Bayer überlegt deutsche Gentechnik-Produktion

BERKELEY (rtr).Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer AG denkt an die Produktion von gentechnisch hergestellten Arzneimitteln in Deutschland.Der Pharma-Standort Wuppertal habe große Chancen, zum zweiten Biotechnologie-Zentrum des Konzerns mit einer eigenen Produktion zu werden, sagte der Biotechnologie-Chef der amerikanischen Konzerntochter Bayer Corporation, Wolf-Dieter Busse, im kalifornischen Berkeley.Noch sei zwar keine Entscheidung über den geplanten zweiten Biotech-Standort neben Berkeley gefallen, doch werde Wuppertal bisher eindeutig favorisiert.

Er teilte weiter mit, daß vier Arzneimittel, die mit Hilfe der Gentechnik gewonnen wurden, kurz vor der Einführung stünden.Der Pharmakonzern schätzt das Marktpotential auf 3,5 Mrd.DM.

Entschieden werden solle die Standortfrage im Jahr 2000 oder 2001, sagte Busse.Neben Wuppertal sei auch ein zweiter US-Standort möglich.Die Bedingungen für die Produktion gentechnisch hergestellter Arzneimittel habe sich in Deutschland in den letzten Jahren spürbar verbessert."Ich sehe da keinen Unterschied mehr zu den USA", sagte Busse.Es gebe derzeit etwa vergleichbare Genehmigungszeiten für neue Wirkstoffe, und auch die politischen Risiken seien in Deutschland nicht mehr höher einzuschätzen.Die amerikanische Aufsichtsbehörde FDA entwickle in den letzten Jahren vielmehr einen Hang zu verstärkter Bürokratie und sei häufig kritischer eingestellt als die deutschen Behörden.

Berkeley ist seit 1993 der Hauptsitz des Bayer-Konzerns für Forschung und Entwicklung von Biotechnologie-Produkten.Insgesamt hat der Konzern seit 1992 rund 300 Mill.Dollar zum Aufbau des Zentrums aufgewendet.Unter erheblichem Aufwand wird hier das Bluter-Medikament Kogenate produziert.Dabei werden 20 Mill.Liter Wasser benötigt, um die Jahresproduktion von 150 Gramm des Medikaments herzustellen.In den nächsten zwölf bis 15 Monaten will Bayer vier neue Medikamente auf dem Markt einführen, von denen zwei gentechnisch hergestellt sind.Es handelt sich um das Alzheimer-Medikament ProMem mit einem geschätzten Marktvolumen von 800 Mill.DM, die Weiterentwicklung Kogenate SF mit einem Volumen von 1,5 Mrd.DM, das Herzmittel Natrecor mit einem Volumen von 150 bis 200 Mill.DM und das Antibiotikum Moxifloxacin mit einem geschätzten Umsatzvolumen von einer Mrd.DM.Da bei der Erprobung des Alzheimer-Medikaments Metrifonat Nebenwirkungen aufgetreten sind, wurde die klinische Erprobung zunächst abgesetzt.Die noch für 1998 geplante Markteinführung wurde um ein halbes Jahr verschoben.

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