Wirtschaft : Bayer verkauft Blutplasma-Sparte

Nach einjährigen Verhandlungen kommt der Umbau des Konzerns voran

Andreas Bohne

Düsseldorf - Die Bayer AG ist beim Umbau ihres Konzernportfolios ein großes Stück vorangekommen. Nach mehr als ein Jahr währenden Verhandlungen verkauft Bayers Teilkonzern Healthcare ihr Blutplasmageschäft für 590 Millionen Dollar, umgerechnet 450 Millionen Euro, an die US-Finanzgruppen Cerberus und Ampersand. Diese wollen die vom US-Staat North Carolina aus geführte Bayer-Einheit mit weiteren Firmen kombinieren und zu einem führenden Anbieter für Blutprodukte ausbauen. Der Bereich beschäftigt in den USA rund 1600 Mitarbeiter. Der Bayer-Umsatz mit Plasma-Produkten belief sich nach Unternehmensangaben in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres auf rund 481 Millionen Euro.

„Die Veräußerung des Bayer-Plasmageschäfts ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Neuausrichtung von Bayers Healthcare-Geschäft“, sagte Bayer-Vorstandschef Werner Wenning am Montag. Allerdings wird bei dem Verkauf ein Bestandteil von Bayers Plasmageschäften ausgespart: Das im kalifornischen Berkeley biotechnisch produzierte Blutermedikament Kogenate wird nicht mit verkauft. „Kogenate ist eines der wichtigsten und bedeutendsten Produkte für das Bayer Healthcare-Portfolio“, hieß es zu Begründung.

„Der Plasma-Verkauf zeigt, dass Bayer bei der Optimierung des Portfolios Fortschritte macht“, sagte die Chemieanalystin der Landesbank Rheinland-Pfalz, Silke Stegemann. „Zugleich behält der Konzern mit Kogenate das Juwel des Geschäftsfeldes.“ Die Bayer-Aktie legte bis Montagabend um 1,64 Prozent auf 24,77 Euro zu.

Bayers Teilkonzern Healthcare findet sich derzeit in einem massiven Portfolioumbau: Wenning verstärkte die Sparte im Sommer für knapp 2,4 Milliarden Euro mit den rezeptfreien Medikamenten der Roche AG. Darunter finden sich starke Marken wie Bepanthen, die Bayers Produkte um Aspirin ergänzen und den Konzern im so genannten OTC-Geschäft zu den Marktführern Johnson& Johnson Inc. und Glaxo Smithkline Plc. aufrücken lassen. Zugleich reduziert Bayer sein Engagement bei patentgeschützten Arzneimitteln: Vor einer Woche kündigte Bayer den Rückzug aus der Entwicklung von Bakterienkillern, Entzündungshemmern und Mitteln gegen Harnwegserkrankungen und Potenzproblemen an. Bayer Pharma wird weiter Arzneien gegen Krebs und Herzerkrankungen entwickeln.

Zu der Neuausrichtung der Pharmaforschung kommt eine Neuordnung des US-Vertriebs. Dort kooperiert Bayer künftig mit Schering Plough Inc. Das passt zu Wennings Ankündigung, das Pharmageschäft zu einem mittleren Anbieter mit Fokus Europa umzubauen. Es umfasst rund ein Drittel des Teilkonzerns Healthcare, der 2003 rund 8,9 Milliarden Euro zu den 28,5 Milliarden Euro Konzernerlösen beitrug.

Der Verkauf des Plasmageschäfts bringt Bayer so viel Geld ein wie von Analysten erwartet. Mitte 2003 hatte Merrill Lynch die Sparte auf 750 Millionen Euro taxiert. Nach dem Verkauf der Plasmasparte der inzwischen von Sanofi-Synthélabo SA übernommenen Aventis an den Marktführer CSL Co. Ltd. Ende 2003 reduzierten sich die Erwartungen auf knapp 500 Millionen Euro.

Für den Kaufpreis musste Bayer einige Kröten schlucken. So hält der Konzern an der NPS Biotherapeutics, die den Käufern als Dach für die Bayer-Aktivitäten dient, vorerst zehn Prozent. Zudem wird Bayer die Verwertung von Vorräten und Forderungen des Plasmageschäfts auf den Preis angerechnet. 45 Millionen Euro vom Kaufpreis erhält Bayer ferner nur, wenn die neue Firma nicht genannte Erfolgsziele erreicht. HB

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