Wirtschaft : Bayerische Hypo trennt sich von Firmenkunden

MÜNCHEN (tmh).Mit der Sanierung ihres Firmenkundengeschäfts hat die Bayerische Hypo- und Vereinsbank (BHV) AG, München, eine zweite Großbaustelle im Konzern eröffnet.Die Sparte sei 1998 mit 304 (Vorjahr plus 59) Mill.DM Verlust in die roten Zahlen gerutscht, sagte BHV-Chef Albrecht Schmidt zur Bilanzvorlage in München und kündigte eine "harte Kurskorrekur" an.Die Münchner wollen sich von einem Zehntel ihrer Firmenkunden mit Krediten im Umfang von 20 Mrd.DM trennen.Das so freigewordene Eigenkapital von 1,2 Mrd.DM werde in anderen Bereichen investiert, um die Bank wieder profitabler zu machen.

Zur Verschärfung der Lage bei Firmenkunden habe die Fusion mit der Hypo-Bank beigetragen, sagte Schmidt.Vor allem deswegen ist die Risikovorsorge der BHV 1998 nochmals kräftig um ein Fünftel auf 750 Mill.DM erhöht worden.Die Hälfte davon entfällt auf Firmenkunden.Anders als die 3,5 Mrd.DM Sonderwertberichtigung für marode Immobiliengeschäfte der ehemaligen Hypo-Bank gehe die Risikovorsorge "annähernd gleichlastig" auf Altlasten der BHV-Vorgängerinstitute Hypo- und Bayerische Vereinsbank (BV) zurück.

Allein die Sanierung der Sparte Firmenkunden koste 600 bis 700 Stellen, sagte BHV-Vorstand Dieter Rampl.Darüber hinaus komme es im Zuge der weiteren Fusion schon 1999 zu einem "spürbaren Rückgang" des heimischen Personals, erklärte dessen Vorstandskollege Wolfgang Sprißler.Er deutete den Abbau von mindestens 650 Arbeitsplätzen an, nachdem die BHV schon im Vorjahr 850 inländische Stellen gestrichen hatte.Im BHV-Konzern arbeiteten zuletzt knapp 40 000 Personen.Auf Filialebene soll die Fusion 284 der Ende 1998 noch 1420 Geschäftsstellen kosten.1999 müsse sich die BHV auf die weitere Fusion sowie einen "sehr deutlichen" Abbau ihrer Risikovorsorge konzentrieren.Die Eigenkapitalrendite nach Steuern sei unter dem Druck des immensen Wertberichtigungsbedarfs auf die "unzulängliche" Marke von 6,1 (8,5) Prozent gesunken und vom für 2003 angepeilten Zielwert von 15 Prozent weit entfernt.Ab dem Jahr 2000 könne die BHV aber die Früchte der Fusion ernten.Bei der Bewältigung des auf die Hypo-Bank zurückgehenden Immobiliendebakels müsse dagegen auch der Markt helfen, sagte Schmidt.Die vier dafür verantwortlichen Hypo-Töchter seien in die neue Gesellschaft HVB-Projekt überführt worden.Die Verwertung aller 52 Immoblilienflops dauere vier bis fünf Jahre.

Persönliche Konsequenzen zieht Schmidt wegen der jüngsten Turbulenzen nicht.Die Frage eines Rücktritts könne er für seine Person "voll verneinen", sagte der BHV-Chef.Den Rücktritt des BHV-Aufsichtsratschefs Klaus Götte bedauere und respektiere er.Der Frage nach einem entsprechenden Schritt des BHV-Aufsichtsrats und ehemaligen Hypo-Chefs Eberhard Martini wich der Bankier aus.Auch zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Martini und andere ehemalige Hypo-Vorstände wegen des Verdachts der Untreue schwieg er.

An der Fusion sei rechtlich nicht mehr zu rütteln, sagte Schmidt zu entsprechenden Aktionärsforderungen.Daran könne auch eine vom BHV-Management beantragte Sonderprüfung des Immobiliendesasters nichts ändern.Ob davon Entschädigungen für Aktionäre ausgelöst werden könnten, wollte Schmidt nicht abschätzen.Allerdings sei in den Bewertungsgutachten zur Fusion ein "erhöhter, latenter Risikobedarf" der Hypo-Bank berücksichtigt gewesen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar