Wirtschaft : Bayerische HypoVereinsbank muß schon wieder Löcher im Immobiliengeschäft stopfen

MÜNCHEN (tmh). Die Bayerische HypoVereinsbank (BHV) AG, München, muß erneut ein Loch im Immobiliengeschäft stopfen. Die neu aufgetauchten Risiken bezifferte Immobilienvorstand Egbert Eisele bei der Vorlage des Halbjahresberichts auf gut 400 Mill. DM. Die BHV kann deshalb ihre Risikovorsorge 1999 nicht wie geplant um ein Drittel, sondern nur um ein Fünftel auf rund 2,6 Mrd. DM abbauen. Konzernchef Albrecht Schmidt verordnete der maroden Sparte eine sofortige Sanierung.Immobilienrisiken haben beim Münchner Institut bereits einen Wertberichtigungsbedarf von 3,5 Mrd. DM und als Folge davon massive Vorstandsquerelen ausgelöst. Ob auch die neuerlichen Wackelkredite auf Geschäfte der früheren Hypo-Bank oder aber solche der ehemaligen Vereinsbank zurückzuführen sind, wollte Schmidt nicht sagen. Die neuerliche Misere gehe ausnahmslos auf Altlasten und nicht auf das Neugeschäft zurück, betonte Eisele. Spekulationen, wonach geplatzte Geschäfte mit dem Bauunternehmer Roland Ernst die BHV mit einer dreiviertel Mrd. DM belasten, wollte er nicht kommentieren. Der Immobilienvorstand bestätigte aber, daß die BHV im Falle von notleidenden Krediten für private Immobilienfinanzierung derzeit mit Kunden in Vergleichsverhandlungen stehe. Allein dafür rechnet er mit einer jährlichen Belastung von bis zu 200 Mill. DM. Bei der Kreditvermittlung über Strukturbetriebe habe es auch "Graubereiche" mit Versäumissen der (damaligen) Hypo-Bank gegeben.Insgesamt bezifferte Eisele das Volumen des inländischen Immobilienengagements der BHV auf knapp 100 Mrd. DM. Davon seien mittlerweile gut 15 Mrd. DM als risikobehaftet erkannt. Binnen fünf Jahren sollen nun alle Sanierungsobjekte vermarktet und binnen zwei Jahren das konzernweite Niveau des Risikovolumens halbiert werden. Zum Halbjahr seien jedoch angesichts der neuen Immobilienprobleme die Gewinne dieser Sparte um 200 Mill. DM auf knapp 300 Mill. DM gesunken.In der Sparte Firmenkunden greift die Sanierung. Der Bereich arbeitet wieder profitabel. Der verantwortliche Vorstand Rainer Knoth verläßt die BHV jedoch "in gutem Einvernehmen". Beim weiteren Wachstum setzt Schmidt auch auf Allianzen, Kooperationen und Übernahmen. Kandidaten dafür nannte er nicht. Eine Fusion mit der Dresdner Bank mache "zur Zeit keinen Sinn". Geplant sei ein Börsengang der BHV-Tochter Direkt Anlage Bank, um das weitere Wachstum des Multimedia-Brokers zu finanzieren.Das Betriebsergebnis kletterte in den ersten sechs Monaten um 14,3 Prozent auf 1,41 Mrd. DM. Der BHV-Nachsteuergewinn betrug Ende Juni rund 774 Mill. DM. Der Zinsüberschuß wuchs im ersten Halbjahr nach Risikovorsorge um 9,1 Prozent auf 3,6 Mrd. DM. Der Provisionsüberschuß stieg ebenso stark auf über 1,7 Mrd. DM.

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