Wirtschaft : Bayern fordert Bankenpool für Kirch

mot/tmh

Die angeschlagene Kirch-Gruppe darf sich wenig Hoffnung auf eine konzertierte Rettungsaktion ihrer Gläubigerbanken machen. Die Bayerische Landesbank, mit einem Kreditvolumen von 1,9 Milliarden Euro der größte Geldgeber Kirchs, schlägt eine solche Initiative aller Gläubiger zwar vor. In Frankfurter und Münchener Bankenkreisen fand der Vorstoß am Donnerstag allerdings kein Echo. Gespräche der Banken habe es bislang nicht gegeben, hieß es. Kirchs größte Gläubiger - neben der BayernLB die Deutsche, die Dresdner und die Hypo-Vereinsbank - lehnten einen Kommentar auf Anfrage ab.

Deutsche-Bank-Chef Rolf E. Breuer hatte bereits am Montag Kirch öffentlich für kreditunwürdig erklärt und weitere Kredite für unwahrscheinlich gehalten. "Die Rettung muss von außen kommen", sagte ein Beobachter am Donnerstag. Auch die Bundesregierung ließ Berichte dementieren, wonach am Donnerstag ein Treffen der Banken mit Vertretern des Kanzleramts und der bayerischen Regierung geplant sei.

Werner Schmidt, Chef der BayernLB, hatte am Mittwochabend vor dem Club der Wirtschaftspresse in München, gesagt, er hoffe auf eine rasche Lösung bei Kirch. Diese könne aber nur nach dem Einstieg eines ausländischen Investors oder mit einer gemeinsamen Rettungsaktion der Banken gefunden werden. "Ich bin überzeugt, dass es in den nächsten Wochen zu einer klaren Lösung im Kirch-Imperium kommen wird", sagte Schmidt. Die involvierten Kreditinstitute müssten jetzt an einem Strang ziehen. "Alles andere wäre Vermögensverschleuderung."

Lösung bis Ende April nötig

Ein Teil der Landesbank-Kredite läuft nach den Worten Schmidts am 30. Juni aus. Kreditausfälle fürchte die Bank jedoch nicht, die Kredite seien banküblich abgesichert. Dem Vernehmen nach sind Kirchs Formel 1-Engagement und ein Teil der Filmbibliothek an die Landesbank verpfändet. An eine Fristverlängerung werde nicht gedacht, sagte Schmidt, weil bis Ende April eine Lösung im Fall Kirch gefunden werden müsse. Zu diesem Zeitpunkt kommen auf den Medienkonzern gleich zwei millionenschwere Zahlungsverpflichtungen zu: Zum einen wird ein Kredit über 460 Millionen Euro der Dresdner Bank fällig, der bereits zwei Mal verlängert worden war. Zum anderen verlangt dann der Springer-Konzern die Zahlung von 767 Millionen Euro für den über eine Verkaufsoption an Kirch zurückgereichten Anteil an Pro Sieben Sat 1.

Um wieder liquide zu werden, könnte Kirch deshalb gezwungen sein, sich von Beteiligungen zu trennen. Kirch soll dazu bereits aus dem Kreis seiner Anteilseigner, darunter der Handelskonzern Rewe, gedrängt worden sein. Zum Verkauf stehen könnten seine 40-Prozent-Beteiligung am Axel-Springer-Verlag, die zu weiten Teilen an die Deutsche Bank verpfändet ist, oder die Formel-1-Anteile. "In der Kirch-Gruppe sind einige Perlen, die international und national auf große Nachfrage stoßen", sagte Landesbank-Chef Schmidt.

Interesse an einem größeren Anteil an Kirchs Bezahlsender Premiere World wird dem Medienunternehmer Rupert Murdoch nachgesagt. Er hält derzeit über den britischen Pay-TV-Sender BSkyB 22 Prozent an Premiere, die er im Herbst an Kirch für 1,7 Milliarden Euro zurückverkaufen kann. Der Aufsichtsrat von BSkyB kam am Donnerstag zusammen. Beobachter rechneten damit, dass das Gremium auch über Murdochs weiteres Engagement im deutschen Fernsehmarkt beraten werde. In Frankfurter Bankenkreisen hatte es zuletzt geheißen, die Deutsche Bank habe bereits ein Mandat von Murdoch erhalten, um einen größeren Einstieg in Deutschland einzufädeln. Kirch-Vize Dieter Hahn hatte am Mittwoch sein Aufsichtsratsmandat bei BSkyB niedergelegt, um "Interessenkonflikte" zu vermeiden.

Die fünf im Rennsport aktiven Autokonzerne scheinen derzeit nicht an einem Kauf der Formel 1-Rechte interessiert. Daimler-Chrysler-Vorstand Jürgen Hubbert sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", das unlängst von Kirch unterbreitete Angebot zur Zusammenarbeit, sei "nach ausführlicher interner Diskussion nicht für zielführend erachtet" worden. Dahinter könnte freilich auch die Taktik stehen, den Preis für die Formel 1 zu drücken. Die Hersteller drohen einstweilen mit der eigenen Serie Grand Prix World Championship ab 2007.

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