Wirtschaft : Bayern will kleine Unternehmen an die Börse bringen

MÜNCHEN (hk/HB). Der Prädikatsmarkt der Bayerischen Börse (P-Markt) war bisher nicht gerade ein Renner. Doch seit einigen Monaten wächst das Interesse an dem Marktsegment, das sich vor allem mit kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigt, die an die Börse gehen wollen. Am Freitag wurde nach dem ersten Jahr Zwischenbilanz gezogen. Der Prädikatsmarkt, ein auf dem Freiverkehr aufsetzendes Segment der Bayerischen Börse, wird als Ergänzung zum Frankfurter Neuen Markt angesehen.In München sind alle Branchen - nicht nur junge, innovative Unternehmen wie in Frankfurt - Zielgruppe. Die Kriterien für den Qualitätsstempel werden nach einem nicht ganz so strengen Maßstab vergeben. Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Hans Spitzner wies darauf hin, daß viele mittelständische Betriebe, die im Grunde gesund und zukunftsträchtig seien, angesichts ihres Eigenkapitalmangels zu wenig oder gar keinen Speck angesetzt hätten, um eine kritische Phase ohne fremde Hilfe überstehen zu können. Er sprach sich dafür aus, das Thema Kapitalmarkt und Börse im Schulunterricht zu verankern.In seinem Referat über Trends im Bereich "Private Equity", also Eigenkapital nicht börsennotierter Unternehmen, erläuterte Bernd Rudolph von der Universität München die Zusammenhänge zwischen Wagnisfinanzierung und Börse: Der Venture-Capital-Markt benötige einen dynamischen Aktienmarkt, der wiederum lebe von einem zusätzlichen Angebot an neuen Aktien. Rudolph geht davon aus, daß "nicht alle Hennen und Eier in einen Korb passen". So werde es künftig zu weiteren Segmentierungen in den Emissions- und Handelsmärkten für junge Unternehmen kommen. Das könnte auch dem Prädikatsmarkt in München die Gelegenheit bieten, neue Unternehmen zu finden und stärker als bisher zu wachsen.Am P-Markt werden bisher fünf Unternehmen gehandelt. Börsengeschäftsführer Andreas Schmidt kündigte an, daß es bis zum Jahresende 1999 zehn sein werden. S.A.G. Solarstrom, Value Holdings und Windsurfing Chiemsee haben ihren Börsengang angekündigt. Und Uto Baader, Vorstandsvorsitzender der Baader Wertpapierhandelsbank AG, verbreitete Optimismus: "Ich bin ganz sicher: Die Zahl der Börsengänge im Jahr 1999 sind nur der Anfang einer langanhaltenden Aufwärtsbewegung." Viele Unternehmen hätten durch die Kurs- und Wachstumserfolge der Börsenneulinge begonnen, selbst über einen Börsengang nachzudenken.

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