Wirtschaft : "Bayerns Angebot an die globale Wirtschaft"

Neue Messe in München eröffnet / Erweiterung der Hallenfläche auf 140 000 Quadratmeter MÜNCHEN (tmh/rtr/AP).Knapp sechs Jahre nach der Verlagerung des Münchner Flughafens steht der Isarmetropole erneut ein Mammut-Umzug in Haus.Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit und Kosten von gut zwei Mrd.DM wurde gestern auf dem alten Flughafen das modernste Messegelände der Welt mit einem Festakt im Beisein von Bundespräsident Roman Herzog und Italiens Regierungschef Romano Prodi eröffnet. Bayerns Ministerpräsident Stoiber bezeichnete die neue Messe als ein Angebot Bayerns zur internationalen Zusammenarbeit in einer globalen Wirtschaft.Der Messeplatz München wolle im Hinblick auf die EU-Osterweiterung zum Tor für die ost- und mitteleuropäischen Beitrittsstaaten werden.Herzog bezeichnete in seiner Festansprache die geplante Erweiterung der EU als historische Chance für die politische Stabilisierung in Mittel- und Osteuropa.Die für den baldigen Beitritt vorgesehenen sechs Länder seien junge Demokratien, bei denen "politische Rückschläge fast unvermeidlich" seien.Das Ziel der EU-Mitgliedschaft trage dazu bei, den einmal eingeschlagenen Reformkurs unumkehrbar zu machen.Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi betonte, die Europäische Währungsunion sei eine nicht wiederkehrende Gelegenheit, die Wirtschaftskraft aller Länder zu bündeln. München sei es mit seinem neuen Ausstellungspark gelungen, in den Olymp der Messehauptstädte aufzurücken, sagte Herzog.Die Eröffnung zeige allen Deutschen, daß es im Land vorwärtsgehe und Lösungen für Probleme gefunden würden.Gerade Bayern sei ein Beispiel dafür, daß Tradition und Technik keine unüberbrückbaren Gegensätze bildeten: "Hier sind Lederhose und Laptop eine Symbiose eingegangen." Gemessen am Umsatz von knapp 300 Mill.DM war die Messe München GmbH hinter Hannover, Frankfurt, Köln und vor Düsseldorf zuletzt die Nummer vier unter Deutschlands Ausstellungsgeländen, global unter den zehn größten Messebetrieben.Wegen ihrer vergleichsweise kleinen Hallenfläche von bisher 110 000 Quadratmetern drohte München aber international ins Hintertreffen zu geraten.Hannover als führender Messestandort verfügt mit 475 600 Quadratmetern über mehr als die vierfache Ausstellungsfläche.Darüber hinaus wachse der heimische Messewettbewerb angesichts teils schon realisierter Ausbaupläne in Hannover, Leipzig und Berlin, begründete Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu die Unterstützung des Milliardenprojekts in Zeiten leerer Staatskassen.636 Mill.DM steuert der Freistaat als 50prozentiger Gesellschafter der Messe GmbH zum Bau bei. Allein im ersten Bauabschnitt wird die Hallenfläche auf 140 000 Quadratmeter vergrößert.Ein bis zwei weitere Hallen mit je 11 000 Quadratmetern sind in der Planung.Dazu kommen 280 000 Quadratmeter Freifläche und ein neues Kongreßzentrum für bis zu 6500 Personen.Abgerundet wird alles durch modernste Kommunikationstechnik, die weltgrößte Photovoltaik-Dachanlage und einen 83 Meter hohen Messeturm. Durch den Neubau ist die Messegesellschaft überzeugt, nicht nur bestehende Weltmessen wie die Sportartikelmesse Ispo oder die Baumesse Bauma in München halten zu können, sondern auch neue Ausstellungen anzulocken.Schon dieses Jahr kommen eine Internationale Motorradausstellung (Intermot) und die Werkstoffmesse Materialica neu hinzu.Genf haben die Münchner ab 1999 deren Halbleitermesse Semicon Europe abspenstig gemacht.Ab dem Jahr 2000 soll die Bäckermesse Iba hinzukommen.Unter dem Strich sollen die Messeumsätze in den nächsten Jahren um rund ein Sechstel auf 350 Mill.DM steigen. Unbestritten ist, daß der Auszug vom alten Messeplatz beim Oktoberfestgelände im Herzen der Stadt über die eigentliche Messe hinaus neue Impulse bringt.Der inklusive Hotels und Gastronomie dadurch ausgelöste Umsatz steige bayernweit durch den Neubau von rund 2,6 auf 3,5 Mrd.DM, hat das Ifo-Insitut für Wirtschaftsforschung jüngst errechnet.Außerdem lege die Zahl der mit der Messe verbundenen Arbeitsplätze um rund 3000 auf etwa 20 000 Stellen zu.Ein reiner Segen ist das Milliardenprojekt aber nicht.Denn dessen Kosten machen die Messegesellschaft für ein Jahrzehnt zum Zuschußbetrieb für die Gesellschafter Freistaat und Landeshauptstadt.Die Stadt muß 1999 sogar ihre 23 Prozent Anteile am Franz Josef Strauß-Flughafen verkaufen, um ihren Teil am größten Bauprojekt Münchens seit den Olympischen Spielen 1972 finanzieren zu können.Amortisieren dürfte sich die Messe nach derzeitigen Plänen erst in 20 Jahren.

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