Wirtschaft : Bayerns Antwort auf den Neuen Markt

THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

Die deutschen Regionalbörsen rüsten nach.Auch die Bayerische Börse in München hat nun eine Antwort auf das boomende Segment Neuer Markt in Frankfurt (Main) gefunden und startet Mitte Juli 1998 endgültig mit einem ersten Unternehmen in ihrem 1997 aus der Taufe gehobenen Prädikatsmarkt, bestätigte der Geschäftsführer der Börse, Andreas Schmidt, in München.Als Pionier fungiert die Allgäuer Alpenwasser AG, Oberstaufen.Ihr folgen sollen noch dieses Jahr weitere Unternehmen wie die AG für Historische Wertpapiere aus Wolfenbüttel.Schon das zeigt, daß es trotz regionaler Verbundenheit keine provinzielle und branchenmäßige Beschränkung gibt, betonte Schmidt.Geplant sei der als Teil des Freiverkehrs organisierte Prädikatsmarkt als Ergänzung zum Neuen Markt in Frankfurt, der sich anders als die Münchner auf High-Tech-Firmen konzentiert und internationale Ausrichtung der Börsenkandidaten fordert.Als weiteren wichtigen Unterschied dazu habe der neue Münchner Markt niedrigere Anforderungen an das Emissionsvolumen.Im Prädikatsmarkt liegt das bei nominal 500 000 DM, während die Frankfurter mindestens zehn Mill.DM fordern.Der Name Prädikatsmarkt spielt auf die besonderen Publizitätspflichten listingswilliger Aktiengesellschaften an, die denen des Neuen Markts ähneln, aber nicht wie dort internationalen Vorschriften zur Rechnungslegung entsprechen.So muß die Allgäuer Alpenwasser AG künftig nicht nur Tafel- und Mineralwasser der Marken Allgäuer und Stolzenbacher Gebirgswasser abfüllen, sondern vierteljährlich Aktionärsbriefe verschicken, sich der ad-hoc-Publizität verpflichten und Bilanzen bei jährlichen Pressekonferenzen präsentieren.Auch bei amtlich notierten Werten sei letzteres heute nicht selbstverständlich, betonte Schmidt.Nach dem Listing verspricht sich der nicht gerade im High-Tech-Umfeld tätige Allgäuer Emittent bis 1999 eine Umsatzverdoppelung auf 7,2 Mill.DM und eine Rückkehr in die Gewinnzone.

Das neue Segment stehe Neuemissionen und bereits im Freiverkehr gehandelten Werten offen, erklärte Schmidt.Konkret schätzen will der die Zahl der dort jährlich geplanten Listings offiziell nicht.Die Bayerische Börse stehe derzeit mit "mehreren Interessenten" im Gespräch.Quer über alle Segmente und ohne genaue Festlegung auf einen Börsengang hat es 1997 in München gut 1000 Anfragen börseninteressierter Firmen und unternehmensberatender Institutionen gegeben, sagte Schmidt.Der Prädikatsmarkt lege die faktischen Hürden für einen Börsengang trotz seiner Publizitätsanforderungen niedriger als üblich und soll so Hemmschwellen kleinerer Firmen und im Mittelstand überwinden, hofft Schmidt.Vorteile biete auch die variable Handelbarkeit jeder Stückzahl von 8 Uhr 30 bis 17 Uhr oder die Kursveröffentlichung im Internet.

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