Wirtschaft : Bayernwerk bezieht Strom aus Rußland

MÜNCHEN (jsn/HB).Die Viag-Tochter Bayernwerk AG, der "Verbund" aus Wien und Rußlands größter Stromversorger Rossii peilen unter Einschluß der Ukraine ein Joint-venture an, das sowohl für die Positionierung im europäischen Stromwettbewerb als auch für die energiepolitische Diskussion in Deutschland ein Großereignis darstellt.Aus Rußland sollen Stromlieferungen von 1200 Megawatt (MW) erfolgen, und zwar jeweils 600 MW für Bayernwerk und Verbund.Die Größenordnung des jährlichen Lieferpakets entspricht der Kapazität eines Kernkraftwerks.Der Erlös für den russischen Partner wird auf 100 bis 200 Mill.DM pro Jahr veranschlagt; bezogen auf die Kilowattstunde (kWh) könnte das Entgelt 1,5 Pf für Rossii ausmachen.Die Bayernwerk AG kann wie Österreichs Verbund die Elektrizität für deutlich unter fünf Pfennig pro Kilowattstunde frei Grenze beziehen.Das Bayernwerk, eine Tochter des Viag-Konzerns, ist auch an der Berliner Bewag beteiligt.Rosii betreibt keine Kernkraftwerke.

Mit Strombezugspreisen im Bereich von drei Pfennig pro Kilowattstunde, die derzeit für die Elektrizitätsbeschaffung aus Mittel- und Osteuropa genannt werden, und der längerfristig vereinbarten Lieferung kann sich das Bayernwerk für den härter werdenden Wettbewerb vorzüglich positionieren.Und die Viag-Tochter hat in Richtung Bonn signalisiert, daß die Elektrizitätsimporte eine außerordentlich kostengünstige Option darstellen.Das gelte vor allem für den Fall, daß hierzulande für die Stromerzeugung die politischen Handikaps vergrößert werden sollten.

Bayernwerk-Chef Majewski zeigte sich optimistisch, daß die Kooperation trotz der Belastungen durch die Balkankrise vollendet werde.Er verhehlte nicht, daß angesichts der Überkapazitäten in Europa von 30 000 bis 35 000 MW das Elektrizitätsangebot aus Rußland eine besonders wettbewerbsfähige Bezugsoption darstellt.Das Gesamtpaket ermögliche aber für Bayernwerk und Verbund immerhin den Verzicht auf ein eigenes Kraftwerk auf Kernenergiebasis; nicht zuletzt hierdurch verbessert sich auch die Verhandlungsposition bei den Energiekonsensgesprächen mit der Bundesregierung.Rußlands Energieanlagen könnten mit den Stromdevisen modernisiert werden.

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