• Bayernwerk sieht sich an der Spitze - Weniger Kosten dank Umstrukturierung, Nachfrage nach Strom aus Wasserkraft

Wirtschaft : Bayernwerk sieht sich an der Spitze - Weniger Kosten dank Umstrukturierung, Nachfrage nach Strom aus Wasserkraft

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Die deutsche Elektrizitätswirtschaft ist nach Einschätzung von Bayernwerk-Chef Otto Majewski, faktisch schon im europaweiten Wettbewerb angekommen. Durch die Verschmelzung der Viag AG, München, mit der Veba AG, Düsseldorf, und durch den Zusammenschluss der Stromtöchter Bayernwerk und Preussen-Elektra werde man sich als "European Power House" positionieren, sagte Majewski im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Kampf um Kostenführerschaft auf liberalisierten Strommärkten erzwinge größere Einheiten. Mit einem gemeinsamen Stromabsatz von fast 190 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr befinde man sich dann in der europäischen Spitzengruppe und könne nach der Fusion in den kommenden drei Jahren wohl Synergieeffekte von mindestens 1,5 Milliarden Mark verbuchen.

Der Vorstandsvorsitzende sieht sein Unternehmen für die Verschmelzung "bestens" gerüstet. Das Bayernwerk habe seine Hausaufgaben gemacht, resümiert Majewski. Die "marktorientierten Strukturveränderungen" seien frühzeitig geschafft worden und ermöglichten unabhängig von der Fusion ein Einsparvolumen von "mindestens 1,6 Milliarden Mark bis zum Jahr 2003".

Auf dem liberalisierten Strommarkt Deutschlands mit einem stagnierenden Absatz treten Newcomer aus dem Ausland an. Die "branchenweite Erlös-Erosion 1999" treffe auch die Bayernwerk-Gruppe. Jedoch würde die Ertragsdelle durch "besonders frühzeitig eingeleitete Kostensenkungs- und Restrukturierungsmaßnahmen" weitgehend ausbalanciert, meint Majewski. In der konventionellen Stromerzeugung habe man eine Portfoliobereinigung um gut 360 Megawatt erreicht. Mit über 100 Kraftwerken sei Bayernwerk zum "größten Wasserkraftbetreiber Deutschlands" aufgestiegen und für den expandierenden Ökostrommarkt vorzüglich positioniert.

An die Stelle des traditionellen "Versorgungsföderalismus in Regionen" sei mittlerweile ein bundesweiter Marktauftritt auf Basis von Regionalmarken und neuen Stromprodukten getreten - vom einfachen Stromliefervertrag bis zum umfangreichen Energieservice-Paket. Im Bereich der Großkunden seien 1999 "erhebliche" Akquisitionen gelungen. Auch bei den Privatkundenprodukten sehe die Bilanz günstig aus. Flaggschiff der Privatkundenprodukte sei "Aquapower"; angesichts der hohen Nachfrage - gut 1000 Abschlüsse pro Tag im Weihnachtsgeschäft - werde die Möglichkeit zusätzlich zertifizierten Wasserkraftstroms geprüft.

Das Bayernwerk will sich unter den führenden Stromhändlern in Europa weiter vorarbeiten. Dabei soll die "geostrategische Position an der Ost-West-Schnittstelle" konsequent genutzt werden. Bei den klassischen kurzfristigen Handelsaktivitäten habe Bayernwerk 1999 schon Rang vier in Europa erreicht. Der Stromhandelsumsatz sei im vergangenen Jahr gegenüber 1998 verdoppelt und gegenüber 1997 sogar verachtfacht worden.

Bei der künftigen Strombörse habe man mit dem "Wunschkandidaten" Europäischer Strombörse (EEX) in Frankfurt (Main) "aufs richtige Pferd gesetzt". Bayernwerk sei "erster und gemeinsam mit RWE einziger Pilotkunde" gewesen. Durch die Fusion mit Preussen-Elektra könne die Optimierung vor allem im Bereich der Stromerzeugung noch verbessert werden. Hier fielen die mit Abstand größten Synergievorteile an. Alle Kraftwerke - einschließlich der Kernkraftwerke - müssten sich im Wettbewerb bewähren. Majewski ist aber optimistisch, dass durch den Kernkraftstrom eine kostengünstige Option zur Verfügung steht. Bauernopfer durch vorzeitige Stilllegungen einzelner, noch rentabler Reaktoren kommen für ihn nicht in Frage. Solange Kernkraftwerke wirtschaftlich betrieben werden könnten, sollten sie auch genutzt werden.

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