Wirtschaft : Bayers Kurswechsel kommt zu spät

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Von Maren peters

BayerChef Werner Wenning hat getan, was er längst hätte tun müssen: Bei der Suche nach einem Partner für die schwache Pharmasparte will er künftig darauf verzichten, den Ton anzugeben. Eine Partnerschaft, in der Bayer den Ton angebe, sei nicht mehr realistisch, hat der Konzernchef am Dienstag zur Begründung gesagt. Da hat er Recht. Welches Pharmaunternehmen sollte sich einem Partner unterordnen, der wenig mitbringt und noch dazu die Mehrheit behalten will? Es wäre auf ein Unternehmen hinausgelaufen, das deutlich kleiner ist als Bayer – und damit kaum eine Stütze in schwierigen Zeiten wie diesen.

Wenning hat sich dem Unvermeidlichen gebeugt. Die Pharmasparte ist nach dem Rückzug des umsatzstarken Cholesterinsenkers Lipobay im vergangenen Jahr in der Krise. Tausende von Lipobay-Opfern klagen, das bedeutet ein Millionen-Risiko wegen offener Schadenersatzforderungen. Zudem ist ein Ersatz für Lipobay nicht in Sicht: Die beiden wichtigsten Medikamente verlieren an Umsatz. Und der neue Hoffnungsträger, die Potenzpille Levitra, wird vom US-Konkurrenten und Viagra-Hersteller Pfizer mit Prozessen überzogen, bevor die Pille überhaupt auf dem Markt ist. Das alles sind schlechte Voraussetzungen für eine Partnersuche.

Deshalb hat Bayer-Chef Wenning den richtigen Schritt getan: Er hat einen neuen Köder für Interessenten ausgelegt. Für viele Bayer-Beschäftigte kommt der Kurswechsel aber zu spät. 15 000 Mitarbeiter werden als Folge der Pharma-Krise ihren Job verlieren. Das wäre in dem Ausmaß nicht nötig gewesen – wenn Bayer schneller reagiert hätte.

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