Wirtschaft : BDI-Chef Henkel als Vermittler bei Yilmaz

ANKARA (dpa/AFP).Bessere wirtschaftliche Verbindungen Deutschlands zur Türkei können sich nach Ansicht des BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel auch vorteilhaft auf die angespannten politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern auswirken.Nach einem Gespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Mesut Yilmaz sagte der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie am Mittwoch in Ankara, er habe jede mögliche Hilfe angeboten, um die Beziehungen zwischen Bonn und Ankara wieder zu normalisieren.Henkel, der sich an der Spitze einer Delegation deutscher Geschäftsleute für mehrere Tage in der Türkei aufhält, sagte, Bundeskanzler Helmut Kohl habe eine positive Botschaft an Yilmaz geschickt, auf die der türkische Ministerpräsident eine positive Antwort gegeben habe.

"Der will von seiner Palme wieder runter, aber möglichst ohne Gesichtsverlust", sagte ein Mitglied der BDI-Delegation über Yilmaz.Der Premier hatte den Deutschen nach dem Luxemburger Gipfel Mitte Dezember vorgeworfen, sie wollten aus der EU einen "Christenclub" machen und die moslemische Türkei deshalb fernhalten.Später verglich er die deutsche Europa-Politik mit der "Lebensraum"-Strategie der Nazis.Die Bundesregierung ließ sich nicht lumpen und hielt Yilmaz im Gegenzug einen verbalen "Amoklauf" vor.Nun möchte Yilmaz nach Einschätzung der BDI-Abordnung das Kriegsbeil zwar wieder begraben, nicht aber von seiner Kritik an Bonn abrücken.Ausführlich schilderte er den Unternehmern bei dem Treffen, daß er von Bundeskanzler Helmut Kohl im vergangenen Jahr die Zusage erhalten habe, sich für eine baldige Aufnahme der Türkei in die EU einzusetzen.In Luxemburg seien dann aber vor allem die Deutschen dagegen gewesen, die Türken als Kandidaten zuzulassen."Ich schlage vor, daß wir jetzt nach vorne schauen", sagte Henkel nach dem Treffen.Angesichts der politischen Irrungen und Wirrungen der vergangenen Monate empfahl Henkel jetzt einen möglichst raschen Wirtschaftsaufschwung der Türkei als Zugpferd bei der Heranführung des Landes an die EU.

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