Wirtschaft : BDI-Chef Henkel fordert die Tarifpolitik von Verbänden in die Betriebe zu verlagern

na/HUH

Das Tarifkartell wird in den nächsten zehn Jahren zerbrechen. Das hat der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, im Gespräch mit dem Handelsblatt prophezeit. "Das Kartell aus Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften wird zerbrechen, es ist in allen Ländern um uns herum einschließlich Holland schon zerbrochen", sagte Henkel. In Ostdeutschland habe der Flächentarifvertrag schon heute kaum mehr Gewicht, da viele Unternehmen nicht Mitglied eines Arbeitgeberverbands seien oder die Flächentarife unterliefen. Noch würden die Politiker vor dieser Entwicklung den Kopf in den Sand stecken. Henkel fordert abermals, die Tarifpolitik von den Verbänden in die Betriebe zu verlagern. Er appellierte zugleich an die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), sich dem Wandel nicht zu verwehren. Enttäuscht zeigte sich Henkel darüber, dass die BDA den Vorschlag abgelehnt habe, die Kündigungsfrist in allen Arbeitgeberverbänden auf 30 Tage zu verkürzen. Der BDI-Präsident kritisierte, dass im Bündnis für Arbeit die Überregulierung fortgeschrieben werde. Um dem Namen des Bündnisses gerecht zu werden, müssten seine Teilnehmer aber über die Deregulierung des Arbeitsmarktes reden. Gerade das Kartell der Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften betätige sich hier oft als Bremser.

Lob für die SPD

Henkel lobte die SPD. Seit die Sozialdemokraten an der Regierung seien, sähen sie den Geleitzug der Tarifpolitik, bei dem die IG Metall den Abschluss vorgebe und alle anderen Gewerkschaften einschließlich der ÖTV folgten, mit anderen Augen. Die Tarifrunde 2000 entscheide über die Zukunft des Bündnisses für Arbeit. Henkel gibt sich überzeugt davon, dass die von der IG Metall geforderte Rente mit 60 nicht kommen werde. Als gute Signale für den Standort Deutschland wertete Henkel die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone und die von der Bundesregierung geplante Steuerfreiheit für Beteiligungsverkäufe von Kapitalgesellschaften. Deutsche Unternehmen hätten in den vergangenen fünf Jahren 350 Milliarden Mark im Ausland investiert, ausländische Unternehmen in Deutschland in diesem Zeitraum jedoch nicht einmal 100 Milliarden Mark. Dies zeige den Nachholbedarf an Auslandsinvestitionen in Deutschland. Es gehe auch nicht an, dass sich die Deutschen auf die Schulter klopften, wenn Daimler-Benz den US-Konzern Chrysler übernehme und die Deutsche Bank Bankers Trust, dass sie aber zu jammern anfängen, wenn es einmal umgekehrt laufe. Für ein Übernahmegesetz gebe es keinen Handlungsbedarf. Henkel begrüßte, dass Beteiligungsverkäufe nach den Plänen der Bundesregierung nicht länger steuerlich bestraft würden. Damit werde es für die Unternehmen attraktiver, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Die "Deutschland AG" werde dadurch offener.

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