Wirtschaft : BDI-Chef Henkel: Produktion und Service wachsen zusammen

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Die verstärkte Entwicklung industrienaher Dienstleistungen hat Hans-Olaf Henkel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), am Mittwoch in Berlin gefordert. Auf einem vom BDI und anderen Industrieverbänden veranstalteten Kongress hob der Verbands-Chef die besondere Bedeutung der industrienahen Dienstleistungen für den deutschen Arbeitsmarkt und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes hervor: "Es ist nicht die Frage Industrie oder Dienstleistungen, wir brauchen beides."

Gerade in Deutschland sei das Verständnis von Industrie anders als in angelsächsischen Ländern. Industriell gefertigte Produkte seien hier wesentlich dienstleistungsintensiver, die klassische Grenze von sekundärem und tertiärem Sektor würde verschwimmen. "Aus Hochöfen werden Handys", zeigte Gerhard Fels, Präsident des mitveranstaltenden Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), den internen Strukturwandel in Industrieunternehmen auf.

Der Ökonom warf ebenso die Frage "Wann wird die New Economy zu uns kommen?" auf. Die Entwicklung laufe auch in Deutschland in die gleiche Richtung wie in den USA. Aber die Wirtschaftspolitik bleibe die Achillesverse hier zu Lande. In diesem Zusammenhang kam BDI-Chef Henkel auch auf Eichels Steuerpläne zu sprechen. "Wir sind der Überzeugung, daß für die Personengesellschaften nachgebessert werden muss", sagte er. Henkel richtete sich dabei an CDU-Fraktionschef Friedrich Merz. Die Opposition sei gefragt, um die Fehler der Steuerreform "auszumerzen". Auf dem Weg zu einer verbesserten Leistungsbilanz müssten die Standortbedingungen in Deutschland verbessert werden. "Nur durch wesentlich höhere Flexibilität und Mobilität kann eine Volkswirtschaft international Schritt halten", sagte Henkel.

Trotz des Status des Exportvizeweltmeisters sei die deutsche Leistungsbilanz seit vielen Jahren defizitär, was vor allem an der unterentwickelten Dienstleistungsbilanz liege, führte Henkel weiter aus. "Wir leisten uns mehr als wir leisten." Die Gründe hierfür sieht IW-Direktor Fels auch in der Unbeweglichkeit des dualen Bildungssystems in Deutschland. Neue Berufsbilder entstünden zu langsam. Die Vereinigten Staaten seien in dieser Hinsicht Leitbild. Neue Berufe würden sich dort viel spontaner und gemäß der Nachfrage entwickeln. Auch der Standpunkt, dass die Green Card nur für IT-Spezialisten gelten soll, sei falsch. "Ziel ist es doch, die Besten zu bekommen, und das nicht nur im IT-Bereich", sagte Fels.

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