Wirtschaft : BDI hält Müllers Prognose für übertrieben

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Berlin (ce/ost/HB). Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industie (BDI), Michael Rogowski, hält den Konjunkturoptimismus des Bundeswirtschaftsministers Werner Müller für übertrieben. Gegenüber den von Müller erwarteten drei Prozent Wachstum für das kommende Jahr geht der BDI nur von einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent aus. In diesem Jahr prognostiziert der BDI 0,7 bis 0,8 Prozent. „Wir erwarten im allergünstigsten Fall ein Prozent“, sagte Rogowski am Mittwoch. Als einzige Branche gehe die Chemie von einem positiven Wachstum von zwei Prozent in diesem Jahr aus. Alle anderen rechneten mit einem Minus in der Produktion. Für die Autoindustrie prognostizierte der BDI-Präsident sogar einen Rückgang um sechs Prozent.

Die Initiative von Wirtschaftsminister Werner Müller, den Export stärker zu fördern, begrüßte Rogowski dagegen. Dementsprechende Maßnahmen hatte Müller am Dienstag bei der Vorstellung des Wirtschaftsberichts 2002 angekündigt. Es sei absehbar, dass durch den starken Euro die Exporte in den Dollarraum beinträchtigt würden.

Der BDI-Chef appellierte an die kommende Bundesregierung, für eine Arbeitsmarktreform die Vorschläge von VW-Personalvorstand Peter Hartz und die Konzepte aus der Union zu kombinieren. Rogowski forderte jedoch erneut, die Hartz-Reformvorschläge „als Paket auszuprobieren". Die Hartz-Kommission solle nicht „auf halbem Wege umkehren“, kommentierte Rogowski den sich andeutenden Kompromiss, auf Kürzungen beim Arbeitslosengeld und der Arbeitslosenhilfe zu verzichten.

Gute Konjunkturdaten im Euro-Raum

Wie das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft, Eurostat, unterdessen mitteilte, gibt es gute Konjunkturdaten aus dem Euro-Raum. So hat sich die Industrieproduktion leicht erholt. Im Mai war der Output im Währungsraum 0,1 Prozent höher als im April. Damals war die Produktion gegenüber dem Vormonat um 0,7 Prozent eingebrochen. Konjunktur-Beobachter hatten für Mai im Schnitt mit einem Rückgang von 0,2 Prozent gerechnet. Denn die bereits veröffentlichten Zahlen aus den meisten Einzelstaaten waren nicht eben berauschend. Im Durchschnitt von April und Mai liegt die Produktion allerdings noch um 0,1 Prozent unter dem Mittel des ersten Quartals.

Die Inflationsrate sank nach Angaben der Statistiker unter die Marke von zwei Prozent. Mit 1,8 Prozent im Juni war sie so niedrig wie seit Dezember 1999 nicht mehr. Im Mai hatte die Inflation noch zwei Prozent betragen und im Juni 2001 drei Prozent. Theoretisch entspricht die Inflationsrate damit dem von der Europäischen Zentralbank definierten Ziel der Preisstabilität. Der Druck, die Zinsen zu erhöhen, ist damit weiter gesunken. Der Kurs des Euro geriet am Mittwoch etwas unter Druck. Gegenüber dem Dollar notierte der Euro aber weiter über der Parität. Die EZB legte den Referenzkurs mit 1,0064 (Dienstag: 1,0127) Dollar fest.

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