Wirtschaft : BDI hält Steuerstatistik für unzutreffend

Tatsächliche Belastung weit höher

BONN (AP/dpa).Die tatsächliche Steuerbelastung der Unternehmen ist nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) weitaus höher, als sie in der politischen Diskussion dargestellt wird.Der Vorsitzende des BDI-Steuerausschusses, Wolfgang Ritter, legte am Dienstag in Bonn vor der Presse eine Studie vor, die diese These beweisen soll.Untersuchungen, die zu gegenteiligen Aussagen kommen, leiden nach Bewertung des BDI an "sachlichen und methodischen Fehlern".Es werde "allzu oft mit gezinkten Karten gespielt", so Ritter. Die Bundesrepublik liege nicht nur mit den Tarifen, sondern auch mit der tatsächlichen Steuerlast im internationalen Vergleich weit oben, erklärte Ritter.Rückstellungen könnten bei weitem nicht in dem Maß steuermindernd geltend gemacht werden, wie dies immer wieder allgemein behauptet werde. Der Anteil der Steuern deutscher Unternehmen am Bruttoinlandsprodukt liege auch nicht bei 2,2 Prozent, sondern bei vier Prozent, betonte Ritter weiter.Dies sei ein internationaler Spitzenwert und werde nur noch von Japan und Italien erreicht.Gängige internationale Belastungsvergleiche seien insofern nicht repräsentativ, weil sie zwar die Steuern von Kapitalgesellschaften widerspiegelten, nicht aber diejenigen von Personenunternehmen, die in Deutschland aber etwa 86 Prozent aller Unternehmen ausmachten. Die öffentliche Statistik weise zudem das Aufkommen der Lohnsteuer zu hoch und das der Einkommen- und Körperschaftsteuer von Unternehmen zu niedrig aus, erklärte Ritter.Die Steuersätze für Unternehmen seien in den vergangenen Jahren zwar gesunken, durch Gegenfinanzierungen bis hin zur Überkompensation sei aber die Belastung der Unternehmen keineswegs gesunken.Ritter wies auch die Annahme zurück, deutsche Unternehmen verlagerten ihre Gewinne immer mehr ins steuergünstige Ausland.Investitionen im Ausland seien vielmehr "unternehmerisch geboten", und steuerbegünstigte Finanzierungsgesellschaften im europäischen Ausland würden von Unternehmen aus aller Welt genutzt."Mit seiner abnormen Mehrfachbelastung der Zinserträge drängt unser Steuersystem deutschen Unternehmen diesen legalen Ausweg förmlich auf", erklärte der BDI-Steuerexperte. Unternehmensgewinne würden in Deutschland mit 48,7 Prozent zwei- bis dreimal so hoch besteuert wie Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer mit 19,3 Prozent, erklärte der Industrieverband weiter.Auch sei die Behauptung vom "Marsch in den Lohnsteuerstaat", also der zunehmenden Verlagerung der Steuerlast auf die Seite der Beschäftigten, nicht zu belegen.Nach den vom BDI angegebenen Zahlen sank der Prozentsatz der Unternehmenssteuern im Vergleich zur Lohnsteuer allerdings von 1985 bis 1997 um immerhin zehn Prozent, von 71,8 Prozent auf 64,1 Prozent.

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