Wirtschaft : BDI schlägt Balkan-Freihandelszone vor

BERLIN . Eine Freihandelszone in Südosteuropa würde nach Überzeugung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) den Aufbau in der Region beschleunigen und die wirtschaftliche Entwicklung festigen. Die Zone könnte umgehend nach einer politischen Stabilisierung der Region eingerichtet werden, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg am Donnerstag in Berlin. Durch den Anreiz, für einen größeren Gesamtmarkt zu produzieren, könnten auch leichter Investoren gefunden werden.In die Freihandelszone sollten neben Albanien, Slowenien Mazedonien sowie Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Jugoslawien auch Bulgarien und Rumänien einbezogen werden. Eine wirtschaftliche Entwicklung ohne die Einbeziehung Serbiens ist nach Einschätzung Wartenbergs kaum machbar. Anreize für eine Restrukturierung der dortigen Industriestandorte seien durch Handelserleichterungen der Europäischen Union denkbar.Wartenberg forderte zugleich eine angemessene Beteiligung der deutschen Wirtschaft am Wiederaufbau im Kosovo. Die Fehler, die im Fall Bosnien gemacht wurden, dürften sich nicht wiederholen, sagte er. Damals habe Deutschland ein Drittel der Kosten übernommen, aber nur vier bis acht Prozent der Aufträge erhalten. Es sollten möglichst bilaterale Wiederaufbauprogramme aufgelegt werden. Die Interessen der deutscher Wirtschaft sollten mit Sitz und Stimme abgesichert werden.Deutsche Unternehmen sind laut BDI in Südosteuropa traditionell stark vertreten. Vor dem Kosovo-Konflikt seien fast 500 Betriebe in der Region aktiv gewesen. Das Außenhandelsvolumen habe im vergangenen Jahr 25 Mrd. DM betragen, davon entfielen 13,8 Mrd. DM auf deutsche Exporte und 11,3 Mrd. auf Importe. Wichtigster Handelspartner in der Region sei Slowenien.Berliner Unternehmen, die sich am Wiederaufbau im Kosovo beteiligen wollen, bietet die BAO Berlin Marketing Service Unterstützung an. BAO und die Repräsentanz der Berliner Wirtschaft in Brüssel bemühten sich um Kontakte zur Europäischen Investitionsbank, Osteuropabank und Weltbank sowie zur geplanten "Consultative Task Force" der EU-Kommission. Informationen über einzelne Projekte würden interessierten Unternehmen direkt übermittelt, hieß es. Über die langfristigen Hilfen für den Kosovo und die Balkan-Region werde aber erst eine internationale Konferenz im Herbst entscheiden, teilte die BAO am Donnerstag mit.

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