Wirtschaft : Beate Uhse: Sex sells

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Sex sells - das weiß Beate Uhse, die 80-jährige Gründerin des Beate-Uhse-Konzerns besser als jeder andere. Ihr Erotikunternehmen, das sie vor über 50 Jahren als Ein-Frau-Versand für Aufklärungsschriften begann, steigerte im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 34 Prozent auf gut 168 Millionen Mark. In diesem Jahr will die Firmengruppe 230 Millionen Mark umsetzen. Die Beate-Uhse-Gruppe bezeichnet sich als Marktführer auf dem deutschen Erotikmarkt. Die Expansion ins Ausland wird vorangetrieben. Inzwischen wurde ein Versandhandel in Australien übernommen, in Frankreich hat die Gruppe ebenfalls Fuß gefasst.

Als die Beate Uhse AG am 27. Mai in Frankfurt (Main) in den Amtlichen Handel ging, war ihr die Aufmerksamkeit der Börsianer und der Medien gewiss. Der Emissionspreis von 7,20 Euro wurde schnell mehr als verdreifacht. Als Höchstkurs wurden schließlich am 31. Mai 24,75 Euro festgestellt. Am Donnerstagmittag notierte die Aktie (WKN 755 140) bei 19,50 Euro.

Schließlich erfüllt die Beate-Uhse-Aktie ihrem Besitzer gleich zwei Primärbedürfnisse auf einmal: Das nach Sex und das nach Geld. Da das Uhse-Unternehmen einen Ruf zu verteidigen hat, schickte es zum Börsengang - und zur Freude der zahlreich anwesenden Männer - Damen in knappen Kostümen auf das Frankfurter Parkett und verteilte Plastikkugelschreiber mit nackten Frauen darauf. Die Nachfrage nach dem Uhse-Papier war dann auch immens. Die erste Erotik-Aktie Europas war vor ihrer Ausgabe 40-fach überzeichnet. Bis zum Mittag waren knapp 800 000 Erotik-Aktien, zum Börsenschluss 1,12 Millionen Uhse-Papiere umgesetzt. Begehrt sind nach wie vor Aktien als Papier, das man sich an die Wand hängen kann.

Der ganze Trubel hat sich für das Unternehmen gelohnt: Der Börsengang brachte ihm rund 63 Millionen Euro ein. Nachdem das Unternehmen bisher im Smax, dem Börsensegment für kleine Unternehmen, notiert war, ist es Anfang dieser Woche, am 20. Dezember, in den gewichtigeren M-Dax augerückt, in dem sich größere und angesehenere Firmen finden. Dieser Sprung sei aber schon in den aktuellen Kursen enthalten, sagt Vincent Bischoff, Leiter der Aktienanalyse bei der Vereins- und Westbank. Er stuft das Papier des Erotikkonzerns, dessen Börsengang seine Bank begleitet hat, deshalb nur auf "neutral" ein. "Meines Erachtens sind alle Perspektiven und Akquisitionen des Unternehmens im Preis der Aktie enthalten", sagt der Analyst. Er fände es positiv, wenn die Beate Uhse AG verstärkt in den Internethandel investieren, und nicht nur den Versandhandel ausbauen würde. "Das könnte mehr Internet-Fantasie in den Wert tragen und den Kurs beflügeln", sagt Bischoff.

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