Wirtschaft : Beben an der Wall Street - Steve Ballmers Beweis für die Dünnhäutigkeit der Börsianer (Meinung)

Henrik Mortsiefer

Hätte es noch eines Beweises für die Dünnhäutigkeit der Börsianer bedurft, Steve Ballmer hat ihn am Donnerstagabend erbracht. Die schlichte Anmerkung des Microsoft-Präsidenten, die Wall Street befinde sich in einem irrationalen Goldrausch, der die Technologie-Werte von Microsoft und Co. in fantastische Kursdimensionen treibe, schockte die Anleger rund um den Globus. Erst fiel New York, dann Tokio, schließlich Frankfurt. Kettenreaktionen, die man kennt, deren Wucht freilich diesmal überraschte. Was hat Ballmer gesagt?

Umsatz- und Gewinnaussichten der Technologie-Aktien stünden im krassen Missverhältnis zu den aktuellen Bewertungen an der Börse. Das sollte Anlegern und Investoren eigentlich bekannt vorkommen. Über die aus dem Lot geratenen Kurs-Gewinn-Verhältnisse der High-Tech-Papiere wird nicht erst seit gestern spekuliert. Und die Blase am New Yorker Aktienmarkt sehen Pessimisten schon seit Monaten platzen. Gestern schien der große Knall gekommen. Am Ende wurde nur ein Kursrutsch daraus, der nervösen Anlegern einen Vorgeschmack auf kommende Talfahrten gibt. Denn die von Steve Ballmer provozierte Überreaktion der Börse offenbart eine tiefgreifende Verunsicherung des Marktes. So wächst die Sorge über die anhaltende Schwäche des US-Dollar, die unlängst neue Nahrung erhalten hat. Und die immer wieder aufflammende Zins-angst will sich auch nach zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr einfach nicht legen. Es scheint, als warte die Börse nur auf einen wie Ballmer, der - kraft seines Einflusses auf die Stimmung der Händler - laut über die Risiken eines globalen Kurs-Crashs spekuliert und gute Gründe dafür findet. Am Donnerstagabend hat es dazu nicht gereicht. Es werden sich andere Warner finden.

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