Beginn der Gartensaison : Der Wunsch nach einer grünen Oase

Sonne, Wärme, Frühlingsgefühle: Das Geschäft in den Gartencentern boomt. Neben bunten Blumenbeeten liegen frische Kräuter im Trend. Sie weisen auf mehr als einen grünen Daumen hin.

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Das Geschäft in den Gartencentern boomt seit vergangenem Freitag.
Das Geschäft in den Gartencentern boomt seit vergangenem Freitag.Foto: dpa

Ein paar Meter vom Fernsehturm entfernt steht Andre Weppen auf seinem Balkon und buddelt in einem Kasten mit brauner Erde. Drei kleine Töpfe sollen darin Platz finden. Einer mit Basilikum, einer mit Thymian und einer mit Rosmarin. Frische Kräuter für die Küche, damit fängt der Frühling an diesem Sonntag für den jungen Mann an. Und nicht nur für ihn.

„Wir hatten hier seit Freitag ordentlich zu tun. Mit den ersten Sonnenstrahlen kamen die Leute zu uns und wollten ihren Balkon oder Garten schön machen“, sagt Anke Andresen, die beim Rothe Gartenbau in Zehlendorf arbeitet. Besonders beliebt seien Primeln und Osterglocken, Stiefmütterchen und Hyazinthen. Die bunten Boten des Frühlings. Im letzten Jahr sah das Geschäft noch ganz anders aus. Damals lag in Berlin noch bis in den April hinein Schnee. Weil März, April und Mai die wichtigsten Monate für die Branche seien, ist Peter Botz mit dem Start in die Saison ebenfalls sehr zufrieden. Der Geschäftsführer des Verbandes Deutsche Garten-Center (VDG) kann zwar nichts zu den Umsatzzahlen der einzelnen Geschäfte sagen, wohl aber zu der Nachfrage im Online-Shop des Verbandes.

Umsätze nehmen deutlich zu

Bis Ende Februar hätten sich die Umsätze dort im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. In den letzten drei Tagen fast verdreifacht, sagt er. Grund für die guten Zahlen des Jahresanfangs war der milde Winter mit seinen wenigen Frosttagen. Christian Seelen, der beim Pflanzencenter „Der Holländer“ in der Nähe des Olympiastadions arbeitet, sagte am Montag ebenfalls: „In den letzten zwei Monaten haben wir Umsätze wie noch nie gehabt. 2013 hat das Geschäft erst viel, viel später angefangen“, bestätigt auch er.

Frühlingsbilder aus Berlin
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Wo die Pflanzen herkommen

Witterung hin oder her: Trotz des guten ersten Quartals würden die Gewinnmargen in der Branche generell bei rund fünf Prozent liegen. An guten Tagen wie im Moment bei maximal zehn Prozent. „Das Wetter schlägt bei uns die Konjunktur“, sagt Peter Botz. Sind die Temperaturen zu hoch oder zu niedrig, verderben die Pflanzen oder Kräuter vor dem Verkauf. An den Einbußen des Gewinns könne dann auch keine starke Kaufkraft etwas ändern.

Mit dem Frühlingseinbruch hat der VDG-Geschäftsführer erst in ein oder zwei Wochen gerechnet. Engpässe gebe es bei den Lieferungen aber trotzdem nicht. „Die Betriebe haben sich schon genügend mit Saatgut und Geräten eingedeckt. Nur die Pflanzen kommen just in time in die Regale“, sagt Peter Botz. Mehr als 90 Prozent würde dabei aus dem Inland stammen – Balkonpflanzen hauptsächlich aus dem Rheinland, Bäume aus dem norddeutschen Raum. Schwierig könnte es für die Gartencenter allerdings werden, wenn der derzeitige Kundenansturm über eine Phase von mehreren Wochen andauern würde.

Wunsch nach grüner Oase

Unabhängig vom aktuellen Wetter wünschen sich immer mehr Menschen eine eigene grüne Oase, sagt Peter Botz vom Gartencenterverband. Zumindest wünscht er sich das. Umsatzzahlen der letzten Jahre legen nahe, dass er Recht haben könnte. Der Umsatz im Gesamtmarkt Garten betrug laut einer Umfrage des Fachverlags Dähne vor fünf Jahren 17,77 Milliarden Euro und steigerte sich demnach stetig auf 18,19 Milliarden Euro im Jahr 2012.

Bei den Balkonpflanzen sei laut Peter Botz zum Beispiel das fleißige Lieschen sehr beliebt. Jahrelang habe ihr ein Pilz zu schaffen gemacht, der die Pflanze im Sommer dahinraffen ließ. Nun gebe aber eine neue Sorte namens Sunpatiens aus Amerika, die resistent gegen diesen Mehltau-Pilz sei. So entpuppt sich die Pflänzchenindustrie sogar noch als innovationsgetriebene Hightech-Branche.

Größeres Gesundheitsbewusstsein

Jedenfalls, so Botz, gewinne der Nutzgarten mit Obst und Gemüse eine größere Bedeutung. Die Deutschen würden einen Ruhepol zu ihrem stressigen Alltag suchen, mutmaßt er. Zum anderen würden sie immer mehr auf ihre Ernährung achten. „Vor allem junge Menschen wollen wissen, was sie essen und wo ihre Lebensmittel herkommen“. Zudem seien Kräuter momentan der „absolute Renner“. So wie bei Andre Weppen, der nach seiner Arbeit auf dem Balkon in die Küche geht und Spaghetti kocht. Mit Tomatensauce und Basilikum. Selbst gepflückt.

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