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Behörde lehnt Araber ab : Rückschlag für Air-Berlin-Retter Etihad

Etihad und Air Berlin dürfen eine Reihe von Flügen nicht mehr gemeinsam anbieten. Das könnte die Sanierung von Deutschlands Nummer zwei gefährden.

Rainer W. During
Ohne seinen arabischen Partner Etihad wäre Air Berlin wohl längst Geschichte.
Ohne seinen arabischen Partner Etihad wäre Air Berlin wohl längst Geschichte.Foto: dpa

Das Luftfahrtbundesamt (LBA) hat der in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Fluggesellschaft Etihad Airways untersagt, insgesamt 34 Flugverbindungen der Air Berlin weiterhin auch unter eigener Flugnummer zu vermarkten. Das Verbot gilt für den ab November geltenden Winterflugplan. Der zweitgrößten deutschen Luftverkehrsgesellschaft, die seit Jahren in der Krise steckt, droht damit ein Verlust an Passagieren und Arbeitsplätzen. Etihad hält seit drei Jahren gut 29 Prozent der Anteile von Air Berlin.

Ein entsprechender Ablehnungsbescheid sei bei Etihad eingegangen, sagte Air-Berlin-Sprecher Aage Dünhaupt. Als Begründung heißt es, dass die beanstandeten Routen von Etihad aufgrund des bestehenden Luftfahrtabkommens mit den Emiraten nicht bedient werden dürfen. Dies gilt aus Sicht des Amtes auch dann, wenn Etihad einen Air-Berlin-Flug nur zusätzlich mit einer eigenen Flugnummer belegt. In Behördenkreisen argumentiert man, dass die Ablehnung nur einen kleinen Teil der beantragten Gesamtzahl von sogenannten Codeshareflügen betreffe, dies also nicht existenzbedrohend sei.

Besonders stark betroffen ist der Standort Berlin, wo allein rund 20 Strecken nicht mehr auch unter Etihad-Flugnummer bedient werden dürfen, darunter die Verbindung von Tegel nach Abu Dhabi, dem Drehkreuz der arabischen Fluggesellschaft. Auch die neue Verbindung von Stuttgart nach Abu Dhabi soll von Air Berlin nur noch unter eigener Flugnummer betrieben werden. Rund 46.000 Passagiere, die diese Flüge bereits über Etihad gebucht haben, würden auf jeden Fall befördert, sagte Dünhaupt. Notfalls werde man neue Tickets ausstellen.

Erhebliche Auswirkungen auf Air Berlin und den Luftfahrtstandort Berlin

Ohne die Möglichkeit, die gegenseitigen Flüge unter gemeinsamen Flugnummern zu vermarkten, wird es für Etihad sehr viel schwieriger, die Air Berlin-Strecken zu verkaufen, heißt es in Berlin. Allein in der ersten Jahreshälfte ist der Anteil der Codeshare-Buchungen mit Etihad um sieben Prozent auf 267.000 gestiegen, hatte die Fluggesellschaft in ihrer Halbjahrssbilanz mitgeteilt. Dem Vernehmen nach haben die unter Etihad-Flugnummer verkauften Air-Berlin-Flüge ein jährliches Volumen von mehr als 100 Millionen Euro, rund einem Zehntel des Gesamtumsatzes.

Das Verbot dürfte somit erhebliche Auswirkungen auf das Unternehmen und den Luftfahrtstandort Berlin haben. Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer wies die Position des Luftfahrtbundesamtes deshalb „auf das Schärfste“ zurück. „Das entspricht nicht unserer Rechtsposition und erschüttert das Vertrauen der Passagiere in die seit langem angebotenen Flugverbindungen“. Seit drei Jahren waren die Codeshare-Flüge problemlos genehmigt worden. „Dieser Schritt gefährdet deutsche Arbeitsplätze, weiteres Wachstum wird außerhalb Deutschlands stattfinden und damit andere Hubs stärken“, so Prock-Schauer.

Turkish Airlines und Qatar Airways könnten profitieren

„Auch für die deutschen Flughäfen bedeutet dies einen Verlust an attraktiven Verbindungen und weniger Wachstum“. Tatsächlich dürften von dem Verbot weniger die Lufthansa, sondern insbesondere zwei andere ausländische Fluggesellschaften profitieren: Turkish Airlines und Qatar Airways verfügen über entsprechende Verkehrsrechte und befördern schon heute von Berlin aus Umsteigepassagiere in ihre Drehkreuze Istanbul beziehungsweise Doha.

Während Etihad als Antragssteller jetzt Widerspruch gegen die Ablehnung einlegen wird, kündige Prock-Schauer an, dass auch Air Berlin, bei der der wirtschaftliche Schaden überwiegend liege, ebenfalls alle rechtlichen Schritte einleiten wird, um den Bescheid anzufechten. Man arbeite mit mit regionalen Wirtschaftsvertretern sowie Interessensverbänden an einer Lösung. „Wir werden um die Codeshares und um den Standort Berlin kämpfen“, sagte ein Sprecher des Konzerns.

Gegen die Konkurrenz der Airlines aus der Golfregion machen sich insbesondere die Lufthansa und ihre Drehkreuz-Flughäfen Frankfurt und München auch über die jeweiligen Landesregierungen bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) stark. Auch dessen Parlamentarische Staatssekretärin Katherina Reiche (CDU) hatte kürzlich im Hinblick auf die Beteiligungspolitik von Etihad erklärt, die bestehenden Regularien müssten überprüft werden. Bei einer Untersuchung hatte das Luftfahrtbundesamt allerdings keine Hinweise darauf finden können, dass Air Berlin aus Abu Dhabi gesteuert wird.

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