Wirtschaft : Behörde warnt vor Insulinspritze „NovoMix 30“ kann

zu Lebensgefahr führen.

Hartmut Wewetzer (mit dpa)

Berlin - Die deutsche Arzneimittelzulassungsbehörde hat davor gewarnt, bestimmte falsch dosierte Produktionseinheiten (Chargen) des Insulinpräparats „NovoMix 30 FlexPen“ des Herstellers Novo Nordisk zu verwenden. Es drohten eine möglicherweise lebensgefährliche Über- oder Unterzuckerung, teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) am Freitag mit. Betroffen sind die Chargen CP50393, CP50749 und CP50902. Der Insulingehalt weiche in sehr seltenen Fällen von der vorgesehenen Dosis ab, sagte Bfarm-Sprecher Maik Pommer. Die betroffenen Chargen würden EU-weit zurückgezogen.

Allein in Deutschland verwenden Hunderttausende das Insulinpräparat. Von dem Fehler sind nach Angaben von Novo Nordisk in Deutschland etwa 1000 Spritzen betroffen. Bei „NovoMix 30“ handelt es sich um verschreibungspflichtige Fertigspritzen zur Senkung eines zu hohen Blutzuckerspiegels bei Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Die beanstandeten Spritzen enthielten 50 bis 150 Prozent der eigentlich vorgesehenen Insulinkonzentration, teilte das Bfarm mit. Betroffene sollten die Chargennummern prüfen. Wer das nicht schaffe, solle einen Arzt oder Apotheker fragen. Diese seien bereits informiert. Für Fragen hat Novo Nordisk die Telefonnummer 06131/903-1113 eingerichtet

„NovoMix 30“ gehört zu den Analog-Insulinen und wird bei Typ-2-Diabetes („Alterszucker“) eingesetzt. Analog-Insuline sind gegenüber dem menschlichen Insulin (Humaninsulin) chemisch verändert. Sie wirken je nach Bedarf schneller oder langsamer. Bei „NovoMix 30“ handelt es sich um eine Mischung aus 30 Prozent schnell und 70 Prozent langsam wirkendem Insulin.

„Wichtig ist, dass der Patient das Insulin nicht einfach absetzt, sondern sich an seinen Arzt wendet, damit das Präparat ausgetauscht wird“, sagte der Diabetes-Experte Andreas Fritsche von der Uni Tübingen, Sprecher der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Fritsche hält das Problem für weniger schwerwiegend und anders als das Bfarm für nicht akut lebensgefährlich. „Da gehen bei mir nicht alle Alarmglocken an“, sagte er dem Tagesspiegel. Im schlimmsten Fall spritze sich ein Patient statt zehn Einheiten Insulin fünf oder 15. Letzteres könne zu einer Unterzuckerung führen, aber diese Gefahr bestehe bei einer Insulintherapie immer und komme häufiger vor. „Ein aufgeklärter Patient kann damit umgehen.“ Hartmut Wewetzer (mit dpa)

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