Wirtschaft : Bei Adam Opel wird jetzt italienisch gesprochen

Rolf Obertreis

Dem Autobauer kommt bei der Allianz eine Schlüsselrolle zu - Chef Hendry in die Gepräche eingebundenRolf Obertreis

Dass Opel das neue Astra Coupé ausgerechnet auf Sardinien vorstellte, hatte in diesen Tagen eine besondere Note. Im Heimatland von Fiat zeigen die Rüsselsheimer, dass sie mittlerweile richtig gute Autos bauen können. Vor dem Hintergrund der von Fiat und der Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) angestrebten strategischen Allianz und Kapitalverflechtung war das nicht ohne Bedeutung. Opel-Chef Robert Hendry zeigte sich gleichwohl vorsichtig. "Das Leichteste haben wir geschafft", sagt er. "Jetzt kommen die schwierigen Aufgaben".

Schon in dieser Woche werde sich das Integrationsteam von Fiat und GM/Opel treffen. Einkauf sowie Motoren- und Getriebefertigung sind, so Hendry, zunächst die Felder, auf denen beide Seiten Kooperationsmöglichkeiten ausloten werden. Gemeinsame Plattformen für Autos von Opel und Fiat wären ein nächster Schritt. "Ein gemeinsames Auto", sagt Hendry, "wird es allerdings nicht geben". Offen ist auch noch die Reaktion der Europäischen Wettbewerbsbehörde. Am Montag verlautete aus Brüssel, dass derzeit untersucht werde, ob der Tausch milliardenschwerer Aktienpakete angemeldet werden muss.

Hendry und sein Vorstandskollege Alain Uyttenhoven konnten auf Sardinien dennoch kaum die Freude darüber verhehlen, DaimlerChrysler ein Schnippchen geschlagen zu haben. Die Stuttgarter wollten Fiat komplett übernehmen. "Mit den Familienstrukturen in Italien muss man behutsam umgehen", sagt Opel-Markenvorgang Uyttenhoven, der bis November 13 Jahre in Diensten von Daimler gestanden hatte. 20 Prozent hat sich GM an Fiat gesichert mit der Option auf weitere zehn Prozent. Umgekehrt steigen die Italiener mit fünf Prozent bei GM ein. Das ist, so heißt es bei Opel, nur der Beginn einen engen Zusammenarbeit.

Seit Dezember haben GM und Fiat intensiv über die Zusammenarbeit verhandelt. Nur 30 Leute waren eingeweiht. Opel-Chef Hendry gehörte dazu. Das belegt, dass GM der Tochter in Rüsselsheim nach jahrelangen Querelen nun eine wichtige Rolle im Konzern einräumt. Ohne Opel kann GM in Europa nicht vorankommen. Schon jetzt kontrolliert der US-Autoriese gemeinsam mit Fiat - und den Tochtergesellschaften Opel, Vauxhall, Saab auf der einen, sowie Alfa Romeo und Lancia auf der anderen Seite - direkt und indirekt rund 20 Prozent des europäischen Marktes. Erklärtes Ziel der Allianz sind aber auch drastische Kosteneinsparungen. Schon im dritten Jahr ihrer Allianz wollen GM und Fiat rund 1,2 Milliarden Dollar jährlich einsparen. Nach fünf Jahren sollen es bis zu zwei Milliarden Dollar sein.

Das wird auch die GM-Tochter Opel treffen. Zumal sie immer noch nachhaltige Ertragsprobleme hat. Ein hoher dreistelliger Millionenbetrag soll es im vergangenen Jahr gewesen sein, heißt es. Fiat und Opel sind weitgehend in den gleichen Bereichen des Autogeschäftes aktiv - vom Kleinstwagen (Opel Agila, Fiat Seicento) über die Mittelklasse (Opel Vectra, Fiat Marea) bis hin zu den Vans (Opel Zafira, Fiat Multipla). Andererseits hofft Opel darauf, wie Uyttenhoven sagt, mit Hilfe von Alfa und Lancia in der Oberklasse Fuß fassen zu können.

Angesichts des langen Vorlaufs für die Entwicklung neuer Modelle - bis 2004 sind die Planungen abgeschlossen - wird es noch mindestens fünf Jahre dauern, bis Opel- und Fiat-Modelle auf die Straße kommen. Festgezurrt haben GM und Fiat aber bereits zwei Gemeinschaftsunternehmen in Italien und in Brasilien für die Entwicklung und Produktion von Motoren, Getrieben und Plattformen. Allein fünf Millionen Motoren wollen GM und Fiat gemeinsam pro Jahr bauen.

All dies muss mittelfristig auf die Standorte ausstrahlen. Noch winken Betriebsratsvertreter in Rüsselsheim, wo gerade mit dem Bau eines neuen Werkes begonnen worden ist, ab: Die Annäherung werde "kurzfristig" keine Auswirkungen haben. Gleichwohl weiß man in Rüsselsheim, dass der Tritt auf die Kostenbremse unvermeidlich ist. Uyttenhoven beruhigt: Bei der Motoren- und Getriebefertigung sei der Personalanteil mit 20 Prozent relativ gering. Das meiste Geld werde man bei der gemeinsamen Entwicklung einsparen. Die Opel-Motorenfertigung, sagt Uyttenhoven, könnte sogar profitieren. Bei Fiat jedenfalls sei man vom neuen 2,2 Liter Alumotor des Astra Coupé begeistert. Die Maschine wird ab 2001 im neuen Motorenwerk in Kaiserslautern gefertigt. Das neue Astra Coupé zeigt im übrigen, das die Rüsselsheimer mit Italienern sehr gut zurecht kommen. Der vornehme neue Opel wird beim Autobauer Bertone in Turin zusammengeschraubt. Die Hälfte der Teile kommt aus Deutschland, der Rest von Bertone selbst. Der Deal mit Bertone belegt, dass Opel und GM auch mit Fiat einiges auf die Beine stellen können. Auch wenn, wie Opel-Chef Hendry sagt, mit der Beteiligung erst der leichteste Schritt getan ist.

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