Wirtschaft : Bei Agfa-Photo läuft nichts mehr

Die Produktion steht teilweise still, weil der Nachschub fehlt – die Mitarbeiter rätseln weiter über die Gründe für die Insolvenz

Maren Peters

Berlin - Beim Foto- und Filmhersteller Agfa-Photo, der am Freitag überraschend Insolvenz angemeldet hatte, steht seit Montag ein Teil der Produktion still. Rund 200 Mitarbeiter konnten nach Angaben von Betriebsratschef Bernd Dykstra nicht arbeiten, da einige Maschinen abgestellt worden seien. „Es hat Probleme mit dem Nachschub von Fotopapier gegeben“, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Gründe seien unklar. Das Fotopapier kommt von Lieferanten und wird bei Agfa veredelt. Damit die Zulieferer wieder Material lieferten, sei es jetzt vorrangiges Ziel des Insolvenzverwalters, die „Liquidität zu stabilisieren“, sagte Schulz. Noch am Montagnachmittag war offen, ob die Mitarbeiter für den Mai ein Insolvenzgeld bekommen.

Agfa-Photo hatte am Freitag völlig überraschend Insolvenz angemeldet. Erst vor einem dreiviertel Jahr war die Fotosparte aus dem traditionsreichen Agfa-Konzern ausgelagert worden, dessen Wurzeln bis 1867 zurückreichen. Der einstige Pionier der Fotografie, der 1936 den ersten Farbfilm auf den Markt gebracht hatte, war abgestiegen. Den rasant wachsenden Trend zur digitalen Fotografie hat Agfa nach Einschätzung von Experten verschlafen. Das Problem teilte Agfa allerdings mit Konkurrenten wie Polaroid, Leica, Kodak oder Fuji: Polaroid war Anfang des Jahres an die amerikanische Petters Group verkauft worden, die zumindest die Marke retten will, der Kamerahersteller Leica kämpft noch ums Überleben. Auf der heutigen außerordentlichen Hauptversammlung wollen Vorstand und Aufsichtsrat ein Rettungspaket vorschlagen, um die Pleite abzuwenden. Kodak und Fuji dagegen haben offenbar noch gerade rechtzeitig gegengesteuert: Sie versuchen, sich mit neuen Kameras auf den digitalen Markt einzustellen, um die Verluste im Filmgeschäft auszugleichen. Auf dem Digitalmarkt müssen sie sich allerdings gegen mächtige Konkurrenten wie Canon, Sony, Nikon oder Olympus behaupten, die den Trend wesentlich früher erkannt hatten.

Digitalkameras haben nach Angaben des Photoindustrie-Verbandes bereits im vergangenen Jahr einen Anteil von 83 Prozent am Gesamtmarkt erreicht. Allein 2004 wurden sieben Millionen Stück verkauft. Dagegen schrumpft der Markt für traditionelle Filme zweistellig.

Wie es nach dem Insolvenzantrag mit Agfa-Photo weitergeht, das weltweit 2400 Mitarbeiter beschäftigt, konnte der Sprecher nicht sagen. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Andreas Ringstmeier, werde sich möglicherweise noch im Laufe der Woche zum Stand des Verfahrens und den Insolvenzgründen äußern. Wie groß das Liquiditätsloch ist, sagte das Unternehmen nicht. Der Betriebsrat und die Chemiegewerkschaft IG BCE, die nach Auskunft von IG BCE-Vertreter Frank Löllgen von der Insolvenz völlig überrascht wurden, hoffen, das die heutige Betriebsversammlung etwas mehr Aufschluss bringen wird.

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