Wirtschaft : „Bei Apple gibt es nur: Friss oder stirb“ Was der CCC am Kleingedruckten kritisiert

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Herr Rosengart, Apple hat die langfristige Speicherung von Positionsdaten auf dem iPhone als Softwarefehler bezeichnet. Und Firmen-Chef Steve Jobs hat beteuert, Apple habe niemanden verfolgt. Glauben Sie das?

Wir wissen es nicht. Doch der Vorfall passt ins Bild: Wir haben Apple in diesem Jahr den Big Brother Award verliehen, weil das Unternehmen seine Kunden zwingt, den firmeneigenen zweifelhaften Datenschutzbedingungen zuzustimmen, wenn man zum Beispiel das iPhone für etwas anderes nutzen will, als nur zum Telefonieren. Das ist Erpressung.

Warum sind die Datenschutzbestimmungen zweifelhaft?

Apple lässt sich von seinen Kunden im Kleingedruckten genehmigen, dass das Unternehmen präzise Standortdaten erheben, nutzen und an seine Partner weitergeben darf – angeblich um die Produkte, Dienste und die Werbung zu verbessern. Das Bundesdatenschutzgesetz sieht ausdrücklich vor, dass so eine Zusage freiwillig erfolgen muss. Wer so ein teures Apple-Gerät voll nutzen will, hat aber gar keine Chance, nein zu sagen. Es gibt nur: Friss oder stirb.

Warum ist es für Unternehmen so interessant zu wissen, wo ich gerade bin?

Die Unternehmen wollen Ihnen Werbung schicken, die nicht nur auf Ihre demografischen Daten zugeschnitten ist, sondern auch auf den Ort und die Situation, in der Sie sich gerade befinden. Je mehr die Firmen über ihren Lebenswandel wissen, desto passgenauer kann die Werbung sein, die Sie bekommen.

Ist es so schlimm, wenn Apple immer weiß wo ich bin und mir Werbung für Produkte schickt, die zu meinen Interessen passen?

Gegenfrage: Können Sie sicher sein, dass tatsächlich nur Apple Zugriff auf die Daten hat? Schließlich vermarktet der Konzern die gesammelten Informationen in seinem Werbenetzwerk. Hinzukommt, dass in den USA die Behörden bereits heute auf Positionsdaten zugreifen, die in mobilen Geräten gespeichert sind. Und wenn man sein Handy verliert, gelangen die Daten vielleicht in falsche Hände. In jedem Fall ist es doch unangenehm, wenn jemand unbemerkt verfolgt, was man so treibt. Ich möchte doch die Kontrolle darüber behalten, wer welche Daten von mir sammelt. Ich will solche Dienste bewusst ein- und ausschalten können.

Was kann ich tun, um mich gegen die Datensammelwut zu wehren?

Wo keine Daten vorhanden sind, können auch keine ausspioniert werden. Man sollte also so wenig Informationen wie möglich preisgeben und darauf achten, wem man diese Daten gibt.

Das Gespräch führte Corinna Visser

Frank Rosengart ist Informatiker und ein Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC). Er ist Mitglied der Jury, die jährlich den Big Brother Award vergibt, ein Negativ-Preis für Datenkraken

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