Wirtschaft : Bei Apple spielt die Musik

Musikplayer iPod beschert Computerkonzern Umsatz- und Gewinnsprung/IT-Branche wächst kräftig

Nicole Huss,Henrik Mortsiefer

Berlin/München - Der digitale Musik-Player iPod bleibt Wachstumstreiber des US-Computerherstellers Apple. Während die PCs des kalifornischen Unternehmens über einen weltweiten Marktanteil von drei Prozent nicht hinauskommen, dominiert Apple mit dem iPod das Geschäft mit leistungsfähigen MP3-Geräten. Im Geschäftsjahr 2004 konnte der Konzern seinen Nettogewinn verdreifachen, der Umsatz stieg um ein Drittel. An den Börsen wurden die Zahlen, die deutlich besser als erwartet ausfielen, gefeiert: Die Apple-Aktie legte im US-Handel um mehr als 14 Prozent zu.

Auch Apples Wettbewerber blicken optimistisch in die Zukunft. Zum Auftakt der IT-Messe „Systems“ in München sagten Branchenvertreter ein kräftiges Wachstum voraus.

„Wir sind begeistert. Es war besser als wir gehofft hatten“, sagte Mitgründer und Apple-Chef Steve Jobs. Apple habe den höchsten Umsatz ein einem vierten Quartal seit neun Jahren erzielt. Im Geschäftsjahr insgesamt kletterte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel von 6,21 auf 8,28 Milliarden Dollar (6,7 Milliarden Euro). Der Nettogewinn stieg von 69 auf 276 Millionen Dollar. Im Schlussquartal legte der Umsatz um 37 Prozent zu.

Der zum Kultobjekt hochstilisierte iPod wurde in den vergangenen vier Monaten mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Seit der Markteinführung setzte Apple nach Angaben von Deutschland-Chef Frank Steinhoff 5,7 Millionen iPods ab. „Auch in Deutschland ist das Quartal extrem gut gelaufen“, sagte Steinhoff dem Tagesspiegel. Der iPod macht inzwischen rund ein Viertel des Gesamtumsatzes von Apple aus. Mit der Internet-Plattform iTunes, von der Musikstücke für je 99 Cent auf den iPod heruntergeladen werden können, setzte Apple bisher mehr als 120 Millionen Dollar um. Vor allem aber mit dem Verkauf des vergleichsweise teuren Players kann das Unternehmen das weiterhin schleppende Geschäft mit Computern ausgleichen: Im vierten Quartal wurden 836000 Mac-Computer verkauft – nur sechs Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

„Wir hatten Lieferprobleme bei der aktuellen G5-Prozessorgeneration für den neuen iMac, das schlägt sich in den Verkaufszahlen nieder“, sagte Steinhoff. Apple gewinne aber – wenn auch auf niedrigem Niveau – Marktanteile im klassischen Computersegment. Im deutschen Einzelhandel setzt der Anbieter dabei auf eine größere Präsenz bei Elektronik-Discountern, aber zum Beispiel auch in Buchläden wie bei Hugendubel in Berlin. „Wir sprechen mit allen großen Ketten“, sagte Steinhoff. Während sich der iPod leicht platzieren lasse, würden Apple-Computer „sehr selektiv“ bei einzelnen Discountern ins Sortiment genommen.

Nachdem die Unternehmen in Deutschland Investitionen in Computer und Software in den vergangenen Jahren wegen der Konjunkturkrise immer wieder verschoben hatten, zieht die Nachfrage unterdessen wieder deutlich an. „Viele Geräte und Software-Lösungen werden erneuert, der Investitionsstau in den Unternehmen löst sich auf“, stellte der Geschäftsführer des IT-Branchenverbands Bitkom, Bernhard Rohleder, am Donnerstag im Vorfeld der „Systems“ in München fest.

Rohleder zufolge wird das Hardware-Segment in diesem Jahr in Westeuropa um 1,3 Prozent, im Jahr 2005 sogar um 2,9 Prozent wachsen. 2003 verzeichnete das Segment noch ein Minus von 3,4 Prozent. Rohleder sagte, die Nachfrage nach neuen Produkten komme gleichermaßen von Unternehmen und Privatpersonen. Die Software-Industrie, lange Zeit das Sorgenkind der IT-Branche, rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus von 3,5 Prozent, für 2005 mit 5,5 Prozent. Wachstumsschübe gibt es nach Bitkom-Angaben derzeit auch bei Notebooks und Mobilfunkdiensten.

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