Wirtschaft : Bei den Parties nach Feierabend vergessen die lebenden Werbeträger die Strapazen des Tages

Esther Kogelboom

Sie lächeln, sind zuvorkommend und ziehen alle Blicke auf sich: Kostümierte Hostessen und Promoter finden sich auf der IFA in jeder Halle. Was für die Messebesucher neu und aufregend ist, bedeutet für die Kommunikationstalente tägliche Routine. Lee, eigentlich Heike, ist die einzige Weihnachtsfrau, die jetzt schon arbeitet. Im kurzen rot-weißen Dress und hohen schwarzen Stiefeln läuft die 23-jährige Promoterin für Videospiele wie "Die Schlümpfe im Alptraumland" über die Internationale Funkausstellung. "Unten frier ich, oben schwitz ich", schreit Lee in die ohrenbetäubende Gertäuschkulisse. "Die Füße schmerzen schon ein bisschen. Selbst vielbeschäftigte Leute reagieren durchaus offen auf mich." Besonders männliche IFA-Besucher zeigen sich angetan von der offenherzigen Weihnachtsfrau: "Ein paar Telefonnummern hätte ich schon mitnehmen können."

Dana Dipke, Studentin der Islamwissenschaften, steht als Handy auf zwei Beinen im Bahnhof Zoo. Sie muss sich von ihrem Assistenten mit den Passanten fotografieren lassen, die auf die S-Bahn Richtung Eichkamp warten. Das Foto können die IFA-Besucher dann auf der Messe abholen - natürlich am entsprechenden Stand. Danas silbrig glänzendes Telefon-Kostüm erregt Aufsehen. Wichtig sei die richtige Antenne zum Publikum - kaum hat sich ein Opfer nach ihr umgedreht, legt Dana ihm vertrauensvoll den Arm um die Schulter. "Man muss einfach nur gut Leute ansprechen können", erklärt sie. "Ich fühl mich total wohl als Handy. Mit dem Kostüm zur Arbeit fahren würde ich aber nicht."

Nicht jeder Promoter gefällt sich in seiner wahlweise plüschigen, glatten oder quietschbunten Haut. Zum Beispiel Sergio. Als "Tabaluga" ist er das Maskottchen vom MTV-Stand. Der hauptberufliche Fahrradkurier: "Ich arbeite nie wieder für 160 Mark am Tag. Kinder zerren an meinem Kostüm rum, die Halbstarken haben einfach keinen Respekt mehr." Da kann Felix, ebenfalls im Drachenkostüm, seinem Kollegen nur beipflichten. Der Modedesign-Student fühlt sich nach getaner Arbeit "im Rausch wie unter Drogen". Steckt Felix in seinem Kostüm, kann er weder sehen noch hören: "Mit dem Drachen liefere ich mich den Leuten aus. Von da drinnen wirkt das Licht wie Stroboskop-Blitze." Felix steckt 20 Minuten im grünen Fellkostüm, dann hat er 20 Minuten Pause, um abzuschalten. "Ohne ganz viel zu trinken, hält man das hier nicht aus", und damit meint der Modedesigner kein Mineralwasser. Nachdem die Internationale Funkausstellung ihre Tore offiziell schließt, feiern die Aussteller mit den Hostessen und Promotern ihren Feierabend. "Ich habe selten Parties erlebt wie diese - die Leute reagieren sich ab und um halb zehn sind die Mädchen oben ohne", weiß Felix, der Drache und zuckt ergeben mit seinen gepolsterten Schultern. Ihn wundert es nicht, dass er seit Beginn der Messe einige Kilos abgenommen hat. Seine Drachenhosen schlackern schon am Bund.

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