• Bei der informellen Beratung der EU-Finanzminister in Turku werden wohl kaum Nägel mit Köpfen gemacht

Wirtschaft : Bei der informellen Beratung der EU-Finanzminister in Turku werden wohl kaum Nägel mit Köpfen gemacht

Luxemburg hat sich gegen eine einheitliche Kapitalertragssteuer von 20 Prozent in der Europäischen Union ausgesprochen. "20 Prozent sind für uns zu hoch", sagte der luxemburgische Haushaltsminister Luc Frieden am Freitag im Bayerischen Rundfunk vor Beginn der informellen Beratungen der EU-Finanzminister im finnischen Turku. Die scheidende EU-Kommission hatte vorgeschlagen, Kapitalerträge in allen Staaten der Union einheitlich mit 20 Prozent zu besteuern. Derzeit gibt es in den EU-Ländern eine starke Spreizung: Während in Deutschland 31,65 Prozent und damit der höchste Steuersatz erhoben wird, verlangen Dänemark, Luxemburg und die Niederlande gar keine Steuern. In Turku wollen die EU-Minister auch über eine raschere Einführung des Euro-Bargeldes nach dem geplanten Start im Januar 2002 beraten. Er erwarte bei der Besteuerung von Kapitalerträgen von dem zweitägigen Treffen in Turku noch kein konkretes Ergebnis, sagte Frieden. Neben der Kapitalsteuer sollten die Finanzminister der EU in der finnischen Stadt auch über die Besteuerung von Firmen und Gesellschaften beraten. Über die Höhe dieser Steuern sei in der EU noch nicht gesprochen worden, betonte der luxemburgische Ressortchef; nötig sei aber eine Harmonisierung auf möglichst niedrigem Niveau, um die anhaltende Kapitalflucht zu stoppen. Bei einer Neuregelung müsse das gesamte geografische Gebiet der EU einbezogen werden, also auch die britischen Kanal-Inseln Guernsey und Jersey, die Isle of Man oder die niederländischen Antillen.

Allein auf Jersey, Guernsey und der Isle of Man liegen britischen Regierungsangaben zufolge rund 350 Mrd. Pfund (mehr als eine Billion Mark). Die Summe entspricht fast der Hälfte des britischen Bruttoinlandsprodukts, setzt sich aber nur zu einem Drittel aus britischen Geldern zusammen. Auch unter den Deutschen sind die Krongebiete als Steueroase beliebt.

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