Wirtschaft : Bei der Partnersuche kreist die Dasa noch in der Warteschleife

THOMAS MAGENHEI-HÖRMANN

MÜNCHEN .Der Vorstandschef der DaimlerChrysler Aerospace (Dasa) AG, München, ist derzeit ein vielbeschäftigter Mann.Für wenige Stunden nur macht Manfred Bischoff an diesem Donnerstag in München Station, um den Dasa-Jahresabschluß 1998 zu präsentieren.Das Zahlenwerk selbst dürfte ihm dabei kein Kopfzerbrechen bereiten.Denn wirtschaftlich ist die Dasa mit Umsatz- und Gewinnrekorden auf Höhenflug.Strategisch befindet sie sich nach der angestrebten Großfusion in der britischen Rüstungsindustrie jedoch in Turbulenzen.Das Zusammenrücken der Konzerne British Aerospace (BAe) und GEC Marconi hat Bischoff seines wichtigsten Partners beraubt.Nun jettet er durch Europa und über den Atlantik, um neue Fusionspartner zu suchen.Dessen ungeachtet könnte sein Konzern auf europäischer Ebene schon zur Rolle eines Juniorpartners in der Branche verurteilt sein.Die "alte" BAe ist als Wunschkandidatin dahin.Zu groß sind die Unterschiede zwischen der künftigen BAe mit rund 35 Mrd.DM Umsatz und knapp 100 000 Beschäftigten und der nur halb so großen Dasa.In der Branche wird nun über eine deutsch-französische Annäherung spekuliert.Vor der britischen Fusionsankündigung galt das aus gutem Grund als ausgeschlossen.An Frankreichs Luft- und Raumfahrtindustrie ist der Staat immer noch maßgeblich beteiligt.Mit Staatsbetrieben mag die privatwirtschaftliche Dasa aber nicht zusammengehen.Denn hier besteht immer die Gefahr, daß politisch und nicht wirtschaftlich entschieden wird.Das gilt besonders für Frankreich, wo Rüstung, Luft- und Raumfahrt mehr als anderswo als heilige Kühe gelten.In einer solchen Konstellation könnte die Dasa ihren wesentlichen Trumpf gegenüber Frankreich nicht ausspielen, ihren durch das schmerzhafte Kostensenkungsprogramm Dolores erarbeiteten Produktivitätsfortschritt.Auch im Vergleich zu Frankreichs Aerospatiale mit 24 Mrd.DM Umsatz sprechen die Größenverhältnisse im übrigen gegen die Deutschen.Die Rolle der BAe möchte die Dasa nun US-Konzernen zuordnen.Man suche mit Firmen wie Lockheed oder Raytheon das Gespräch, warnte Bischoff.Als ernste Gefahr dürften das weder Engländer noch Franzosen empfinden.Auch gegenüber einer US-Gruppe wäre die Dasa nur der Juniorpartner.Zudem arbeiten die Deutschen operativ auf fast allen Geschäftsfeldern mit Europäern zusammen, was für eine US-Kooperation kaum Spielraum läßt.Die Dasa hat aber auch keine Möglichkeit, wie jetzt die Briten auf nationaler Ebene mehr Speck anzusetzen.Rund vier Fünftel der deutschen Luft- und Raumfahrt sind bereits unter dem Dach der Münchner.

Wollen sie sich nicht isolieren, führt kein Weg an einer Integration vorbei.Egal ob US-Partner, Franzosen oder Briten: Gleichberechtigte Strukturen wird die Dasa nur noch schwer durchsetzen können.Vielleicht findet Bischoff aber auch noch Verbündete, an die man im Augenblick nicht denkt.Auch Italiener oder Spanier haben eine Luft- und Raumfahrtindustrie, die nicht in einer von Großbritannien oder Frankreich dominierten Struktur untergehen will.

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