Wirtschaft : Bei der Telekom kommen nur zehn Namen in Frage

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An der Spitze der Deutschen Telekom sitzt ein neuer Mann. Jetzt soll erst einmal Ruhe einkehren in den Konzern. Gleichzeitig ist aber Eile angesagt. Helmut Sihler, der 72-jährige Interims-Chef, hat sechs Monate Zeit, einen Nachfolger für Ron Sommer zu finden, der am Dienstag zurückgetreten ist. Aufsichtsratschef Hans- Dietrich Winkhaus hält es sogar für möglich, dass er noch vor der Bundestagswahl am 22. September einen neuen Vorstandschef präsentieren kann. Ist es realistisch, innerhalb dieser kurzen Zeit einen qualifizierten Manager zu finden?

„Das ist durchaus möglich“, sagt Unternehmensberater Thomas Deininger. Er ist Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Executive-Search-Berater, das sind Personalberater, die darauf spezialisiert sind, Top-Manager für die Besetzung von Spitzenpositionen zu suchen. „Nach sechs bis acht Wochen kann man die ersten Kandidaten präsentieren, wenn man es professionell angeht“, sagt Yvonne Beiertz, Geschäftsführerin von Spencer-Stuart Deutschland, einer international tätigen Personalberatung. „Wie schnell dann ein Kandidat ausgewählt wird, hängt davon ab, mit welchem Tempo die Entscheidungsprozesse in den verantwortlichen Gremien ablaufen.“ Immerhin fangen die Berater, die nach Top-Führungskräften suchen, nicht bei Null an. Sie wissen bereits, wer für eine solche Position in Frage kommen könnte.

Beiertz hat keinen Zweifel daran, dass es genügend Manager gibt, die sich für diesen Posten interessieren – auch nach der wochenlangen öffentlichen Diskussion, die dem Rücktritt Sommers vorangegangen war. „Menschen, die in derart exponierten Positionen arbeiten, müssen immer mit diesem Risiko leben.“ Auch Deininger glaubt: „Das ist hundertprozentig ein begehrter Posten.“ Er schätzt, dass es weltweit etwa zehn Top-Manager gibt, die das richtige Profil für den Vorstandschef von Europas größtem Telekommunikationskonzern haben. „Es muss jemand mit der nötigen Branchenkompetenz sein“, sagt Deininger. „Einen Generalisten wie etwa Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp braucht die Telekom nicht.“ Und es müsse ein international erfahrener Spitzenmanager sein. „Alle unter 45 Jahren haben kaum eine Chance“, sagt Deininger.

Allerdings: Interimschef Sihler und Aufsichtsratsvorsitzender Winkhaus haben gerade einen rigiden Sparkurs in den kommenden Wochen für die Telekom angekündigt. Mit mehr als drei Millionen Euro Gehalt im Jahr könne ein neuer Vorstandschef daher nicht rechnen, sagt Deininger. Trotzdem werde es Interessenten geben. „Eine Persönlichkeit mit einem echten unternehmerischen Herzen, den die Aufgabe reizt.“ Deininger erwartet jedoch nicht, dass ein neuer Chef noch vor der Bundestagswahl präsentiert wird. Der Bund ist mit 43 Prozent größter Aktionär der Telekom. Man werde sicher abwarten, wer die kommenden vier Jahre an der Regierung sein wird, bevor man einen neuen Vorstandschef benennt.

Eine Lösung von innen hält Deininger für unwahrscheinlich. Auch wenn die n von Kai-Uwe Ricke und Karl-Gerhard Eick als mögliche Nachnachfolger von Ron Sommer immer wieder im Gespräch sind, nachdem Technik-Vorstand Gerd Tenzer ganz offenbar nicht die Unterstützung des Kapitalmarktes hatte. Bisher verantwortet Ricke im Vorstand die Unternehmensbereiche T-Online und T-Mobile. Eick ist Finanzchef des Konzerns. „Der Kapitalmarkt erwartet eine unvoreingenommene Persönlichkeit, die den nötigen Umbau bei der Telekom voranbringt“, sagt Deininger. Corinna Visser

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