Wirtschaft : Bei EADS sind die wichtigsten Posten besetzt - Wettbewerbsbehörde muss zustimmen

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Nach dem ersten Treffen seines Executive Committee hat der neue europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS (European Aeronautic and Defense Company) weitere Schritte der Integration bekannt gegeben. "Schiere Größe ist nicht genug", warnt Rainer Hertrich, der das Unternehmen gemeinsam mit Phillipe Camus im Rang eines Vorstandschefs leiten wird. Trotzdem macht er dem Konzern klare Vorgaben: Ziel ist es, am US-Konkurrenten Lockheed Martin vorbeizuziehen und damit nach Boeing die Nummer zwei in der Luft- und Raumfahrtindustrie zu werden.

Am Termin für den Börsengang Ende Juni soll festgehalten werden. Konsortialführer für den Börsengang sollen die Deutsche Bank und ABN Amro werden. Das Unternehmen erwartet eine Marktkapitalisierung von rund fünf Milliarden Euro. Notiert werden soll das Unternehmen zunächst an den Börsen von Frankfurt und Paris. Entgegen früheren Aussagen werden die Börsenplätze Amsterdam und Madrid jetzt nur noch als "spätere Möglichkeiten" bezeichnet.

"Auch wenn noch nicht alle rechtlichen Hürden genommen wurden, wollen wir trotzdem nach außen demonstrieren, dass wir bereits mit der Arbeit begonnen haben", erklärt Rainer Hertrich. Die EADS entsteht aus der Fusion von DaimlerChrysler Aerospace, Aérospatiale Matra und der spanischen Casa. "Wir wollen international Maßstäbe setzen bei Profitabilität, Qualität, Innovation und Kundenzufriedenheit", so Hertrich. Der Zusammenschluss soll jetzt den Kartellbehörden zur Genehmigung vorgelegt werden. Mit einer Entscheidung der Europäischen Kommission rechnet Hertrich in etwa vier bis sechs Wochen.

Mit Spannung erwartet wurde die Besetzung der Posten im neunköpfigen Executive Committee, das einem Vorstand vergleichbar ist, und dem Hertrich und Camus vorsitzen werden. Verantwortlich für den Bereich Airbus wird dort Noel Forgeard. Diese Entscheidung war nicht unumstritten, da Forgeard in Personalunion Chef des Unternehmens Airbus ist, an dem auch BAe Systems, die frühere British Aerospace, zu 20 Prozent beteiligt ist. Die Briten hatten bereits Widerstand gegen diese Ernennung angekündigt. Forgeard zur Seite gestellt wird als zweiter Mann Gustav Humbert, der bisherige Chef der deutschen Airbus-Aktivitäten. Überraschend ist die Ernennung von Dasa-Chefstratege Thomas Enders als Leiter des Bereichs Verteidigung.

Unklarheit besteht weiterhin über die Zukunft von Airbus. Nach Aussagen der EADS-Führung ist man optimistisch, bis zum Börsengang zu einer Einigung mit dem Partner BAe Systems über die künftige Struktur des Unternehmens zu erzielen. Die EADS würde als Unternehmensform eine Kapitalgesellschaft niederländischen Rechts bevorzugen, der die Briten als Anteilseigner beitreten könnten. In keinem Fall, so stellten Hertrich und Camus klar, würde der künftige Anteil der Briten an Airbus die heutigen 20 Prozent übersteigen. Als Entgegenkommen denkbar wäre höchstens eine Kompensation in Bar.

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