• Bei Exoten wird die Rendite oft von den Kosten aufgefressen. Hierzulande aufgelegte Fonds rechnen sich meist besser

Wirtschaft : Bei Exoten wird die Rendite oft von den Kosten aufgefressen. Hierzulande aufgelegte Fonds rechnen sich meist besser

Ingo Narat

Wo kauft der Anleger Investmentprodukte am preiswertesten? Bei einer inländischen Kapitalanlagegesellschaft. Welche Produkte sind am günstigsten? Jene, die eine einfach umzusetzende Anlagepolitik verfolgen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Londoner Fondsresearch- und Consultingfirma Fitzrovia in ihrer erstmalig erschienen Analyse des deutschen Fondsmarktes ("German fund charges - July 1999").

Fitzrovia untersucht knapp 2900 in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Wertpapier-, Immobilien- und Geldmarktfonds. Die Gesellschaft wählt eine Gesamtkostenbetrachtung. Sie gibt an, mit wie viel Prozent das Fondsvermögen jährlich belastet und damit die Performance gemindert wird. Die Gesamtkosten setzen sich zusammen aus den Managementgebühren, den Aufwendungen für Administration und Wertpapierverwahrung sowie weiteren Kostenposten. Ausgabeaufschläge, die beim Kauf einmalig erhobenen Gebühren für die Beratungsleistung, werden nicht betrachtet.

Die gesamte Fondsbranche, soweit in der Studie berücksichtigt, vereinnahmt laut Fitzrovia knapp 7,8 Mrd. Dollar. Die Anleger zahlten fast fünf Mrd. Dollar an Managementgebühren, 2,8 Mrd. Dollar an weiteren Kosten. Unter Auslandsfonds fallen insbesondere jene Produkte, die über Luxemburg oder Dublin lanciert wurden. Dazu zählen auch die Fonds, die deutsche Kapitalanlagegesellschaften (KAGs) über dort niedergelassene Töchter aufgelegt haben.

Ergebnis der Studie für die Anlagegruppen Aktien- und Rentenfonds: Die im Inland aufgelegten Produkte sind im Durchschnitt preiswerter als die ausländischen. Besitzt der Anleger einen in Deutschland aufgelegten Aktienfonds, bezahlt er im Schnitt 1,14 Prozent Gebühren pro Jahr. Um diesen Betrag schmälert der Kostenblock das Fondsvermögen und damit sein Anlageergebnis. Bei Auslands-Aktienfonds fallen zusätzliche 0,77 Prozentpunkte an. Die Gesamtkosten liegen mit 1,91 Prozent wesentlich höher.

Fitzrovia-Gründer Paul Moulton nennt einen der Gründe: "Viele Luxemburger Fonds werden auch in mehreren europäischen Ländern verkauft, das bedeutet höhere Administrations- und Vertriebskosten." Verkaufs-Infos und Rechenschaftsberichte müssten in verschiedensten Sprachen bereitgestellt werden. Auch für Marketing und Werbung fielen höhere Ausgaben an.

Die genannten Kostenposten fielen gerade im "jungen Fonds-Leben" und bei geringem Fondsvermögen ins Gewicht. In diesen Fällen machten sich Fixkosten prozentual deutlicher bemerkbar. Tatsächlich verfügen die in der Studie berücksichtigten und in Deutschland aufgelegten Aktienfonds im Schnitt über ein Vermögen von 222 Mill. Dollar, die entsprechenden Auslandsfonds dagegen nur über 109 Mill. Dollar. Ähnliche Differenzen gibt es bei den Rentenfonds.

Der größte Kostenposten Managementgebühr ist für die höheren Gesamtkosten mitverantwortlich. Moulton ruft in Erinnerung, dass deutsche KAGs etwas geringere Gebühren verlangen könnten. Jedenfalls dann, wenn die Fonds beim Wertpapierhandel über ihre Bankenmütter an diese vergleichsweise hohe Gebühren zahlten, die Bank also daran verdiene. Wichtig sei auch die Konzentration deutscher Produkte auf Standard-Portefeuilles, die einfacher und damit kostengünstiger zu managen seien. Über Luxemburg würden dagegen eher Fonds mit speziellen Anlageschwerpunkten und -zielen lanciert. Wie sehr das letzte Argument sticht, illustrieren die Durchschnittswerte für die Gesamtkostenbelastung von Aktienfonds mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ein Portefeuille für deutsche Aktien kostet geringe 1,10 Prozent, ein international anlegender Fonds schon 1,70 Prozent. Noch kostspieliger sind Branchen- oder Themenfonds. So bringen es Produkte für Technologiewerte auf 1,89 Prozent. Sehr teuer wird es bei Schwellenbörsenfonds, bei denen der Anleger im Schnitt 2,33 Prozent an jährlicher Performanceeinbuße hinnehmen muss.

Die höchsten Belastungen fallen laut Studie in spezialisierten Emerging-Market- Fonds an. Spitzenreiter sind die in brasilianischen Aktien anlegenden Produkte, bei denen die Performance um 3,65 Prozent pro Jahr geschmälert wird. Über drei Prozent liegen auch Fonds für mexikanische und indische Aktien. Moulton: "Diese Anleger sind natürlich ohnehin sehr risikofreudig, so dass man die extreme Kostenbelastung nicht überbewerten sollte."

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