Wirtschaft : Bei Heuschrecken ist Berlin besonders beliebt PWC-Studie spricht von „regelrechter Euphorie“

Anselm Waldermann

Berlin - Ausländische Finanzinvestoren haben ein starkes Interesse an Berlin. Das geht aus einer Studie des Wirtschaftsprüfers Pricewaterhouse-Coopers (PWC) hervor. Vor allem die Immobilienbranche ist demnach für internationale Geldgeber attraktiv. „Teilweise gibt es eine regelrechte Euphorie“, sagte PWC- Partner Helmut Trappmann am Montag in Berlin. Andere deutsche Regionen wie München, Frankfurt am Main oder das Ruhrgebiet würden im Ausland bei weitem nicht so als Metropolen wahrgenommen wie die Hauptstadt.

Bereits in der Vergangenheit waren einzelne Finanzinvestoren – so genannte Heuschrecken – nach Berlin gekommen. So übernahm Cerberus im Jahr 2004 die Wohnungsbaugesellschaft GSW. Doch das Interesse der Kapitalgeber lässt nicht nach: Mittlerweile werden nicht mehr nur Wohnimmobilien, sondern verstärkt auch Gewerbeflächen gesucht. „Vor allem aus den USA, Israel, Irland und Spanien registrieren wir Anfragen“, heißt es bei PWC. „Insgesamt gibt es für Berlin mehr investitionswilliges Kapital als Anlagemöglichkeiten.“ Entsprechend sei der Preis für Immobilien bereits gestiegen: Laut PWC wurden in Berlin früher 500 Euro pro Quadratmeter gezahlt, mittlerweile seien es 1000 Euro.

Die Angst vieler Berliner vor Mieterhöhungen sei hingegen nicht berechtigt, sagte Trappmann. Zwar sei es das natürliche Interesse eines Immobilienkäufers, die Miete anzuheben, um so seine Rendite zu steigern. „Aber auch eine Heuschrecke kann die Miete nicht beliebig erhöhen. Wenn der Markt nicht mehr hergibt, sucht sich der Mieter eben eine andere Wohnung.“ PWC betont vielmehr, dass der Kapitalzufluss den Wettbewerb belebe. „Die Leistungspalette nimmt zu. Möglicherweise könnten die Preise sogar sinken – wie nach der Privatisierung auf dem Telekommunikationsmarkt.“

Trappmann wies aber auch darauf hin, dass billige Immobilien allein nicht reichen, um Investoren nach Berlin zu locken. „In einem wirtschaftlich schwachen Gesamtumfeld sind Immobilien nichts wert.“ Berlin müsse sich deshalb der Herausforderung stellen und den Wettbewerb mit anderen europäischen Regionen um den Zufluss von Kapital aufnehmen. Nach einer Prognose von PWC wird es im Jahr 2025 europaweit nur noch sechs starke Wirtschaftsregionen geben, die aber 75 Prozent des gesamten Bruttosozialprodukts erwirtschaften. London und Paris seien auf jeden Fall dabei; Madrid, Moskau und Mailand wahrscheinlich ebenfalls. „Wenn Berlin sich anstrengt, kann es auch dazu gehören“, sagte Trappmann.

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