Wirtschaft : Bei Neugewichtung der Aktienindizes soll der Streubesitz als Kriterium gelten

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Wie ein Lauffeuer hat sich am Mittwoch ein Gerücht unter den Aktienhändlern verbreitet: Stoxx Ltd. plant eine Neugewichtung seiner Aktienindizes. In Zukunft soll das Gewicht einzelner Titel nicht mehr von der Marktkapitalisierung, sondern nur noch vom Streubesitz abhängen. Für Unternehmen, die von einem einzelnen oder mehreren Großaktionären beherrscht werden, könnte das einen entscheidenden Unterschied machen. Ihnen droht ein deutlicher Gewichtsverlust in den Indizes.

Die Spekulationen führten am Mittwoch zu einem deutlichen Rückschlag für die Aktien der Deutschen Telekom. Zeitweise lagen die Papiere mit mehr als sechs Prozent im Minus. Die Telekom hat zwar alle ihre Aktien zum Handel zugelassen, allerdings hält der Bund derzeit direkt und indirekt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau noch 65 Prozent an dem Bonner Konzern.

Stoxx Ltd. betreibt mit dem Stoxx-50 und dem Euro-Stoxx-50 die beiden bekanntesten Indizes für Standardwerte in Europa und der Eurozone. Zahlreiche große Fonds orientieren ihre Investments an den Börsenbarometern. Verliert ein Titel hier an Gewicht, drohen Verkäufe durch die Fonds und damit Kursverluste.

Stoxx Ltd. denke über eine Neuregelung der Gewichtung nach, bestätigte Christoph Widmer, Direktor des Index-Anbieters. Eine entsprechende Entscheidung könne bis Ende des Jahres fallen, die Umsetzung werde sich aber bis 2001 hinziehen. Mit diesen Überlegungen liegt StoxxLtd. im Trend. Die Mutter Dow-Jones hat für ihren Global-Titans-Index die Orientierung am Streubesitz bereits festgeschrieben. Die Betreiber der führenden Aktienindizes in Großbritannien und Spanien planen ähnliches. Mittelfristig könne auch auf den Dax eine Neugewichtung zukommen, meint Analyst Matthias Jörss von der BHF-Bank.

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