Wirtschaft : Bei Prokon tickt die Uhr

Itzehoe - Auch am letzten Tag einer selbst gesetzten Ablauffrist bleibt das Schicksal des Windanlagenfinanzierers Prokon unklar. „Zurzeit überschneiden sich der Eingang und die Erfassung von Kündigungen und Kündigungsrücknahmen. Wir werden die Daten am Wochenende abgleichen und zeitnah wieder zur Verfügung stellen“, lautete am Montag der jüngste Eintrag auf der Internetseite des Unternehmens aus dem schleswig-holsteinischen Itzehoe. Prokon verweigert nach eigenen Angaben wegen sich häufender Negativberichte seit Mai 2013 jeglichen Kontakt zu den Medien.

Das Unternehmen hatte vor zehn Tagen erklärt, dass bis zu diesem Montag 95 Prozent der Anleger eine Erklärung abgeben müssten, nach der sie ihre Genussrechte zunächst behalten und nicht kündigen würden. Andernfalls müsse das Unternehmen Insolvenz anmelden. Bis zum frühen Montagnachmittag hatten nach den Angaben auf der Prokon-Webseite etwas mehr als die Hälfte der Anleger mit einem Genusskapital von 729,4 Millionen Euro die geforderte Treueerklärung abgegeben. Das ist ungefähr die Hälfte des Genusskapitals von 1,4 Milliarden Euro. Damit ist das angepeilte Ziel von 95 Prozent deutlich verfehlt und Prokon müsste eine Planinsolvenz anmelden, um sich an die eigenen Ankündigungen zu halten.

Doch ob es wirklich zu einem Insolvenzverfahren kommt, ist völlig offen. In der vergangenen Woche hatte Prokon-Chef Carsten Rodbertus unter Berufung auf einen Insolvenzrechtler erklärt, dass eventuell die Voraussetzungen für eine Insolvenz doch nicht gegeben seien. Das Unternehmen, das in erneuerbare Energien investiert, ist fast vollständig durch Genusskapital finanziert. Nachdem es in eine Liquiditätsklemme geraten ist, kann es gegenwärtig weder die Zinsen auf die Genussrechte noch gekündigte Papiere auszahlen. Das seien aber eventuell keine offenen Forderungen gegen das Unternehmen im Sinne des Insolvenzrechts. Diese Frage soll durch Rechtsgutachten geprüft werden.

Bei Verbraucherschützern steht das Geschäftsmodell von Prokon seit langem in der Kritik. dpa/rtr

0 Kommentare

Neuester Kommentar