Wirtschaft : Bei Siemens droht mehr Kurzarbeit

Konzern besorgt sich vier Milliarden Euro

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München - In der Belegschaft des Münchner Technologiekonzerns Siemens geht die Angst um, dass die am Donnerstag angekündigte Ausweitung der Kurzarbeit nur ein Zwischenschritt zu weiteren Sparmaßnahmen ist. Personalvorstand Siegfried Russwurm hatte bekannt gegeben, dass die Kurzarbeit beim Technologiekonzern von derzeit 4600 bis April auf dann 7400 Beschäftigte ausgedehnt wird. Siemens-Mitarbeiter fürchten nun, dass die Kurzarbeit demnächst mehr als 10 000 Kollegen betreffen könnte. „Es wird zu einer weiteren Ausweitung kommen“, hieß es.

Siemens schließt das nicht aus: Das weitere Vorgehen sei von der Nachfrageentwicklung abhängig, sagte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser am Freitag. Die 7400 Kurzarbeiter seien der „heutige Planungsstand“. Kaeser erklärte: „Das ist ein sehr probates Mittel, um die Betriebsbereitschaft aufrechtzuerhalten.“ Ob es erneut zu einer Ausweitung komme, hänge von der Marktentwicklung ab. Das Tempo der konjunkturellen Eintrübung habe sich beschleunigt.

Betroffen von Kurzarbeit ist vor allem die Siemens-Tochter Osram mit fünf Standorten. Osram habe nun in Deutschland so gut wie flächendeckend Kurzarbeit, sagte ein Osram-Sprecher. Denn zu den Fabriken Berlin und Regensburg kämen demnächst die Werke in Herbrechtingen, Schwabmünchen und Augsburg dazu. Im Berliner Osram-Werk gibt es bereits seit Januar Kurzarbeit. Bis zu 1000 der insgesamt rund 2000 Mitarbeiter sind davon betroffen. Hinzu kommen in Berlin nun 200 Siemens-Mitarbeiter. Welche Bereiche betroffen sind, wollte eine Sprecherin am Freitag nicht sagen.

Im restlichen Siemens-Konzern trifft es vorwiegend die Automatisierungstechnik. Im Schnitt werde drei Monate lang kurzgearbeitet und die Arbeitszeit dabei um etwa ein Fünftel reduziert, erklärte eine Konzernsprecherin in München. An rund 100 heimischen Standorten beschäftigt der Konzern etwa 131 000 Frauen und Männer. Siemens hofft, ohne weiteren Stellenabbau über die Runden zu kommen. Im Vorjahr wurden 16 000 Arbeitsplätze gestrichen.

Finanziell kann Siemens die Krise indessen wenig anhaben. Während andere Firmen über Finanzierungsengpässe und ausgetrocknete Finanzmärkte klagen, platziert Siemens offenbar problemlos zwei Anleihen über insgesamt vier Milliarden Euro, gab Kaeser bekannt. „Die Banken hatten mit einem beachtlichen Ansturm auf unsere Anleihen zu tun“, sagte Kaeser am Freitag. Es hätten Anfragen über 20 Milliarden Euro vorgelegen. Daraufhin habe Siemens die Anleihesumme bereits verdoppelt. Mehr sei aber nicht nötig gewesen, machte Kaeser klar. Die Hälfte der Anleihe bleibt im Land, die andere Hälfte geht ins Ausland. „Die Investoren kommen aus der ganzen Welt“, sagte Kaeser. Das Geld dient der Umschuldung von kurzfristigen in langfristige Schulden. tmh/Tsp/ dpa

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