Wirtschaft : Bei Tchibo werden die Weichen gestellt

Zwei von fünf Erben sollen mit vier Milliarden Euro abgefunden werden – das Geld fehlt für wichtige Investitionen

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Berlin (msh). Im Streit um die Zukunft des TchiboKonzerns werden an diesem Montag wichtige Entscheidungen getroffen. Läuft alles wie geplant, wird die zerstrittene Eigentümerfamilie Herz beschließen, den langjährigen Vorstandschef Günter Herz, 62, und seine Schwester Daniela, 48, auszuzahlen. Sie halten bislang 33,6 Prozent an dem Kaffeeröster und sollen dafür rund vier Milliarden Euro bekommen. Die Tchibo-Holding wird dann den übrigen Geschwistern Joachim (61), Michael (59) und Wolfgang (52) und der Mutter Ingeburg gehören.

Ein Vorstoß von Joachim Herz, die Auszahlung zu verhindern, war in der vergangenen Woche gescheitert. „Das Tischtuch in der Familie ist zerschnitten“, sagte Joachim Herz dem Handelsblatt. Die Verträge über die Abfindung von Günter und Daniela seien bereits unterschrieben, heißt es. Joachim hatte befürchtet, dass der Abfluss von vier Milliarden Euro den Tchibo-Konzern finanziell entscheidend schwächen könnte.

Zwar hat der Konzern nach dem Verkauf der Mehrheit an dem Zigarettenhersteller Reemtsma rund fünf Milliarden Euro in der Kasse. Das eigentliche Ziel von Tchibo ist es aber, den hochprofitablen Kosmetikkonzern Beiersdorf (Nivea, Tesa) vollständig zu übernehmen. Für die ehrgeizigen Mitglieder der Familie Herz wäre das die Möglichkeit, den Verkaufserlös des Reemtsma-Geschäfts sinnvoll zu investieren und ihren Einfluss als eine der wichtigsten Industriellenfamilien Deutschlands noch zu steigern. Schon seit Jahren hält Tchibo 30 Prozent an Beiersdorf. Der Hauptaktionär Allianz will seinen Anteil von 44 Prozent verkaufen. Die Übernahme scheiterte zuletzt aber an den zerrütteten Verhältnissen in der Familie Herz, die sich auf keine einheitliche Strategie einigen konnte.

Joachim Herz befürchtet jetzt, dass die Tchibo-Holding auseinander bricht und nicht genügend Geld für den Kauf des 44-Prozent-Anteils der Allianz zur Verfügung steht. Zwar hatte es im Juni in einer der seltenen Mitteilungen des Tchibo-Clans noch geheißen, die Familie wolle „ihre Kräfte bündeln“, wenn es um die Finanzierung der Beiersdorf-Übernahme geht. Aber ob die besonders verfeindeten Brüder Michael und Günter noch einmal zusammenfinden, ist mehr als fraglich.

Vermutlich will Tchibo unter der Ägide von Michael nicht mehr das gesamte Allianz-Paket kaufen, sondern nur noch einen Teil. Für 20 Prozent der Anteile müsste Tchibo rund zwei Milliarden Euro aufbringen. Die restlichen Aktien könnte die Allianz an einen Finanzinvestor verkaufen oder behalten. Allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass sich die Allianz darauf einlässt. Schließlich stehen mit Großkonzernen wie Procter & Gamble oder L’Oreal weitere Interessenten bereit. Bisher hatten sie wegen des Tchibo-Anteils einen Einstieg gescheut. Sollte die Herz-Familie nicht zum Zuge kommen, könnten sie ihre Meinung ändern.

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