Wirtschaft : „Bei uns gab es noch keine Lebensmittelskandale“

Der polnische Landwirtschaftsminister Wojciech Olejniczak über die Nahrungsqualität, Gentechnik und Billigware

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Herr Olejniczak, Sie werben auf der Grünen Woche mit Wodka, Salami und Krakauer für polnische Produkte. Werden Sie die deutschen Verbraucher überzeugen?

Das ist das Ziel. Schließlich schmecken unsere Produkte und haben eine hohe Qualität.

Die Europäische Kommission hat Zweifel: Sie hat noch im Herbst den Hygienestandard bei polnischen Molkereien und Schlachthöfen bemängelt.

Auch für uns gelten europäische Normen, wir sind verpflichtet, unsere Qualität zu kontrollieren. Die Grüne Woche ist eine Gelegenheit für uns, dass sich die Verbraucher davon direkt überzeugen können. Wenn wir die Standards nicht erfüllen, dürfen wir die Produkte dieser Betriebe auch nicht exportieren – das wollen wir aber. Also liegt es in unserem Interesse, die Standards einzuhalten.

Wird bis zum EU-Beitritt am 1. Mai jeder Betrieb den Anforderungen genügen?

Die Mehrheit der Produktion wird am 1. Mai soweit sein. 80 Prozent der Molkereien werden exportieren dürfen, beim Fleisch sind es zwar nur 50 Prozent der Betriebe – die aber 80 bis 90 Prozent des Produktionsvolumens liefern. Es wollen auch gar nicht alle exportieren. Es gibt ja auch noch 38 Millionen Verbraucher auf dem polnischen Markt. Aber für die wollen wir ja auch Sicherheit. Bei uns gab es jedenfalls noch keine Lebensmittelskandale.

Erst in der vergangenen Woche wurden hier zu Lande fehlerhafte BSE-Tests bekannt. Haben sie nicht auch Sorge, dass die deutschen Lebensmittel dem polnischen Verbraucher schaden könnten?

Natürlich habe ich diese Befürchtungen. Schließlich kommen ja dann auch neue Produkte auf den polnischen Markt. Bei uns werden jedenfalls bei 100 Prozent der Rinder BSE-Tests durchgeführt. Dass dies auch so in den anderen europäischen Ländern gemacht werden muss, ist doch selbstverständlich.

Werden die polnischen Bauern den deutschen Bauern Konkurrenz machen?

Wir werden weiterhin Preisunterschiede haben. Aber die werden immer geringer. Manche Produkte sind bei uns ja auch teurer: Joghurt, Pflanzenöl und Bier zum Beispiel. Billiger ist Rindfleisch, Zucker, Brot, Obst und Gemüse. Bei uns sind die Margen bei der Lebensmittelverarbeitung geringer als in Deutschland, und die Rohstoffe preiswerter. Aber wie gesagt: Langfristig werden sich die Preise anpassen.

Setzen Sie auf billige Nahrungsmittel oder sollte es auch in Polen eine Agrarwende geben?

Natürlich werden die Großbetriebe von den EU-Geldern profitieren, aber wir wollen auch unsere zahlreichen kleinen Betriebe und die Ökolandwirtschaft fördern – das ist schließlich auch für die Bevölkerung von Vorteil. Wie sich der Strukturwandel dann letztendlich vollzieht, das hängt vom Markt ab, von dem, was die Verbraucher wollen.

In Deutschland wollen die Verbraucher zurzeit lieber billig kaufen.

Ich bin optimistisch, dass immer mehr Menschen einsehen, dass es trotz der hohen Preise wichtig ist, Bio zu kaufen. Es kann ja nur unser Wunsch sein, gesunde Nahrungsmittel zu essen, die nicht in Agrarfabriken produziert werden.

Verbraucher haben dagegen Angst vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Wie steht Polen dazu?

Da bin ich skeptisch. Denn wir wissen ja noch gar nicht, was das für Einflüsse auf unsere Gesundheit haben könnte.

Wollen Sie auch, wie Agrarministerin Künast, die EU-Gesetzgebung durch nationale Regeln ergänzen?

Ja, auch bei uns werden nationale Lösungen untersucht. Es muss auch bei uns die Haftung von Produzenten geklärt werden. Schließlich kann man Felder nicht abschirmen – auch nicht über Ländergrenzen hinweg.

Die EU-Kommission hat Zweifel daran, dass Sie technisch in der Lage sind, die erwarteten Milliardenbeihilfen korrekt an die Bauern zu verteilen. Wie weit sind Sie?

Ab 15. April muss und wird das Computersystem stehen – denn sonst können wir die Förderanträge der Bauern nicht entgegennehmen. Und wir planen zumindest, dass wir dann planmäßig am 1. Dezember die Gelder annehmen können.

Das Gespräch führten Maren Peters und Flora Wisdorff.

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