Wirtschaft : Bei Verdi müssen 25 Euro für eine ganze Woche reichen

Am Sonntag beginnt im Berliner ICC der einwöchige Bundeskongressder Dienstleistungsgewerkschaft Verdi

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Berlin (alf). Joschka Fischer und Klaus Wowereit treten auf, wenn an diesem Sonntag mit 2000 Gewerkschaftern und Gästen im Berliner ICC der Bundeskongress der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eröffnet wird. Von Montag an befassen sich dann die 1008 Delegierten eine Woche lang mit rund 1300 Anträgen, dem Rechenschaftsbericht des Vorstands sowie der Wiederwahl der Gewerkschaftsspitze um Frank Bsirske. Der Kongress ist ein Großprojekt: Verdi hat 200 Mitarbeiter im Einsatz, die den reibungslosen Ablauf gewährleisten; allein 30 Leute werden für das Auszählen der Stimmen gebraucht. Eine Hamburger Firma hat den Zuschlag für die Technik bekommen, ein 350 000Euro-Auftrag; 15 Personen sorgen für Ton, Licht und Videotechnik. Weitere 15 Leute sind für Bühnenbauten zuständig, Dutzende kümmern sich um die Verteilung von Info-Material und die Sicherheit.

Der Bundeskongress ist das Parlament der größten deutschen Gewerkschaft. Und die Organisation von Demokratie ist aufwendig und teuer. Allein für die Miete des ICC zahlt Verdi 500000 Euro, der gesamte Kongress wird mit rund sieben Millionen Euro veranschlagt. Das ist vergleichsweise günstig: Vor zweieinhalb Jahren, als in Berlin fünf Gewerkschaften zu Verdi fusionierten, waren 5000 Delegierte beteiligt.

Die meisten Gewerkschafter reisen zweiter Klasse mit der Bahn nach Berlin. Auch das hat etwas mit Sparen zu tun. Die Bahn gewährt Verdi einen Großkundenrabatt von 20 Prozent. Die gut 1500 Teilnehmer werden die ganze Woche über von Capital Catering, einer Tochter der Messe Berlin versorgt. Am Montag zum Beispiel werden „Meeresfrüchte mit Muscheln und Truthahnfilets in Indiencurry, bunte Zucchini und körniger Weizen“ gereicht. Ein Abendessen ist im ICC nur für den Freitag vorgesehen. An diesem Tag müssen die restlichen Anträge abgearbeitet werden, und da ein langer Abend droht, werden die Delegierten im ICC verköstigt – mit kalten Platten. Dagegen gibt es am Donnerstagabend ein Buffet im Neuköllner Estrel-Hotel, wenn die Großgewerkschaft Verdi zur Großparty einlädt. Etwa 1400 Gäste werden erwartet, die Kosten der Sause dürften bei 50000 Euro liegen.

Gespart wird bei den Tagegeldern. Normalerweise zahlt die Gewerkschaft den Delegierten 20 Euro pro Tag, bei diesem Kongress sind es nur 25 Euro für die ganze Woche. Immerhin können die Verdi-Parlamentarier umsonst durch die Stadt fahren. Der BVG zahlt Verdi pro Kopf 15 Euro, dafür gilt der Teilnehmerausweis des Kongresses als Fahrausweis. Das Material für den Kongress – drei Ordner mit Anträgen und Entschließungen sowie der Verdi-Geschäftsbericht – wurde den Delegierten in einem Trolley zugestellt, dadurch sparte man sich die Verpackung. Die Versandkosten pro Trolley: 3,50 Euro. Überhaupt die Anträge: Sie befassen sich vor allem mit Sozialpolitik, aber auch zum Thema Frieden gibt es 38 Eingaben. Der kürzeste Antrag umfasst einen Satz, der längste 31 Seiten.

FDP nicht eingeladen

Die weit über 1000 Gewerkschafter werden in sieben Berliner Hotels untergebracht, darunter das Estrel, das Westin Grand an der Friedrichstraße und das Ibis in der Nähe des ICC. Im Schnitt muss die Gewerkschaft 75 Euro für ein Zimmer zahlen.

In der zweiten Wochenhälfte kommt die Politikprominenz ins ICC. Die Fraktionsvorsitzenden der Parteien sprechen zu den Delegierten - bis auf die FDP. Nachdem Parteichef Guido Westerwelle die Gewerkschaften als „Plage" bezeichnet hatte, geht Verdi auf Distanz. Und Gerhard Schröder kommt auch nicht. Vor ein paar Tagen erst versuchte der Bundeskanzler auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall in Hannover seine Politik zu erklären. Eine Einladung zum Verdi-Kongress nahm er wegen „Terminschwierigkeiten“ nicht an. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass Schröder wegen Verdi-Chef Frank Bsirske nicht kommt. Die beiden mögen sich nicht besonders.

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