Wirtschaft : Bei Volkswagen ist mit 58 Feierabend

IG Metall sieht Signal gegen Ruhestand ab 67 / Regierung: Kein Widerspruch

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Berlin - Während die Politik sich schneller als erwartet über einen früheren Zeitpunkt für die Rente ab 67 geeinigt hat, kommen von Volkswagen scheinbar gegenteilige Signale: Am Freitag einigten sich der Autobauer und die Gewerkschaft IG Metall auf ein neues Altersteilzeit-Modell, das für viele Mitarbeiter die Rente bereits ab 58 ermöglicht. Im Kern sieht das Modell vor, dass zusätzlich rund 7000 VW-Beschäftigte in den sechs westdeutschen Werken vorzeitig aus dem Arbeitsleben aussteigen können.

IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine sieht in der Regelung bereits einen „Kontrapunkt“ zur Rente ab 67. Im Bundesarbeitsministerium bleibt man aber gelassen. „Die Regelung bei VW steht nicht im Widerspruch zu den Plänen der Koalition“, heißt es dort – bewegt sich doch das VW-Modell im gesetzlichen Rahmen. Denn das vor zehn Jahren eingeführte Altersteilzeitgesetz läuft nach wie vor im Jahre 2009 aus. Die VW-Regelung ist lediglich eine Kombination aus der Ausweitung der schon bestehenden Altersteilzeit bei VW und der im Zuge der Rentenreform geschaffenen Möglichkeit der vorzeitigen Rente mit 62 Jahren für langjährig Versicherte. Durch eine Ausweitung der Altersteilzeit von bisher fünf auf sieben Jahre können bei VW nun auch Beschäftigte der Jahrgänge 1952 bis 1954 ab dem 55. Lebensjahr die Altersteilzeit beginnen. In dieser Zeit erhält der Beschäftigte 85 Prozent des Tarifgehaltes. VW zahlt 65 Prozent, die Bundesagentur für Arbeit 20 Prozent. Für Beschäftigte der Jahrgänge 1955 an ist eine Altersteilzeit dagegen nicht mehr möglich, da sie 2009 noch keine 55 Jahre alt sind.

Eine Renaissance der Altersteilzeit sehen Rentenexperten in der VW-Einigung deshalb nicht – und verweisen einhellig auf die schlechten Erfahrungen mit der 1996 von der damaligen Bundesregierung eingeführten Regelung. Denn statt eines gleitenden Übergangs, der älteren Arbeitnehmern ab 55 Jahren ermöglicht werden sollte, entwickelte sich die Altersteilzeit in der Praxis vor allem zum Hebel, um Arbeitsplätze abzubauen. So auch bei VW: Als Grund für das neuerliche Modell verweist man in Wolfsburg ganz offen auf „Überkapazitäten“ und spricht von einem „bewährten Modell der Personalanpassung“. Insgesamt sei es nun für mehr als 13 000 der über 100 000 Beschäftigten in den sechs westdeutschen Werken möglich, in Altersteilzeit zu gehen, heißt es bei VW.

Grundsätzlich sind bis zum Auslaufen der Regelung 2009 weiterhin zwei Varianten der Altersteilzeit möglich: Entweder reduziert ein Arbeitnehmer bis zum Rentenalter seine Arbeitszeit um die Hälfte. Oder er nutzt das so genannte Blockmodell: Der Arbeitnehmer arbeitet in der ersten Phase voll, hört dafür aber früher auf. Der Arbeitgeber zahlt bis zu 70 Prozent des vorherigen Einkommens und entrichtet die Sozialbeiträge auf einem Niveau von 90 Prozent des vorherigen Einkommens. Der Beschäftigte kommt damit auf ein Nettoeinkommen und einen Rentenanspruch, die nur wenig geringer sind, als wenn er Vollzeit bis zur Rente gearbeitet hätte. ce/SB

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