Wirtschaft : Bei Yahoo wird ein Platz in der ersten Reihe teuer

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Der US-Internetanbieter Yahoo will seine Kunden verstärkt zur Kasse bitten. Denn in Zukunft soll ein Großteil des Umsatzes nicht durch Werbung, sondern durch kostenpflichtige Dienste erwirtschaftet werden, kündigte Yahoo-Chef Terry Semel am Donnerstag in New York an. "An den Werbeeinnahmen ist nichts falsch, trotzdem werden wir unser Internetangebot erweitern", sagte er. Mit der grundlegenden Änderung des Geschäftsmodells will Semel das angeschlagene Internetportal wieder in die Gewinnzone führen.

Die schlechte Wirtschaftslage und die Krise der New Economy haben die Werbeeinnahmen - mit fast 80 Prozent die Hauptumsatzquelle von Yahoo - rapide sinken lassen. Deshalb will der Internetanbieter sich vom Werbegeschäft unabhängig machen und seine Kunden für gute Positionen in der Suchabfrage zahlen lassen. Wenn der Benutzer künftig auf der Yahoo-Seite einen Begriff eingibt, werden auch Anbieter aufgelistet, die dafür bezahlt haben. Das geht auf Kosten der User, denn die angezeigten Links sind dann nicht mehr nach Genauigkeit sortiert. Fortan stehen die Anbieter an vorderster Stelle, die den höchsten Preis berappt haben.

Yahoo setzt dabei auf eine Kooperation mit dem Unternehmen Overture, das schon länger erfolgreich die vorderen Ränge auf seinen Internetseiten verkauft. Yahoo ist nicht die erste Suchmaschine, die gegen Bezahlung die besten Plätze auf ihren Ergebnislisten feilbietet. Auch Altavista und AOL zählen zu den Geschäftspartnern von Overture. In den USA kooperiert Altavista seit Januar 2001 mit Overture und in Großbritannien seit vier Monaten. "Wir machen jedoch sehr genau kenntlich, für welche Links bezahlt worden ist", erklärt Stefanie Himoss, Vertriebsleiterin bei Altavista. Und für die Altavista-Nutzer in Europa gibt sie Entwarnung: Ein solches Konzept sei für den europäischen Raum vorläufig nicht vorgesehen. Auch der Internetanbieter Yahoo beschränke seine neue Verkaufsstrategie zunächst auf die USA, sagte Pressesprecherin Claudia Strixner von Yahoo Deutschland. Zudem will Yahoo weltweit mehr Dienstleistungen für Unternehmen und Verbraucher einführen. In Deutschland steigt der Internetanbieter daher ins Domain-Geschäft ein und bietet seinen Kunden künftig die Registrierung von Internetadressen an.

Trotz der rückgängigen Werbeinnahmen bekräftigte Yahoo-Chef Terry Semel die Gewinn- und Umsatzprognosen für das vierte Quartal 2001. Der Umsatz dürfte zwischen 160 Millionen und 180 Millionen Dollar liegen und der Gewinn je Aktie zwischen null und einem Cent betragen. Für 2002 stellte Semel sogar steigende Umsätze in Aussicht: Yahoo werde bis zu 785 Millionen Dollar einnehmen. Der Umsatzanteil durch Werbung werde sich allerdings bis 2004 von 80 Prozent auf 50 Prozent verringern. Analysten prognostizieren Yahoo für 2002 einen Umsatz von etwa 740 Millionen Dollar. Der Kurs der Yahoo-Aktie sank zwischenzeitlich um 2,7 Prozent auf fast 17 Euro.

Yahoo teilte am Donnerstag weiter mit, mehrere hundert Stellen streichen zu wollen. Im Rahmen der betrieblichen Neuausrichtung werden weltweit etwa 400 Arbeitsplätze abgebaut, sagte Präsident Jeff Mallet. In anderen Geschäftsbereichen würden jedoch zusätzliche Mitarbeiter benötigt. Insgesamt würden daher etwa 300 Arbeitsplätze gestrichen werden.

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