Wirtschaft : Beim Einkaufen ausspioniert

Aldi soll Kunden und Mitarbeiter gezielt überwacht haben. Selbst die PIN-Eingabe soll gefilmt worden sein.

Düsseldorf - Beim Discounter Aldi sollen Kunden und Beschäftigte überwacht worden sein. Das berichtet der „Spiegel“. Wie alle anderen Einzelhandelsunternehmen kontrolliere der Discounter, dessen Gesamtumsatz auf rund 57 Milliarden Euro geschätzt wird, seine Verkaufsräume mit fest installierten Videoanlagen. Er sei aber längst wieder dazu übergegangen, auch den Kassenbereich zu beobachten, heißt es in dem Bericht.

Bei Aldi Nord werde das Filmen der Kassenbereiche „strikt ausgeschlossen“, zitiert das Magazin den Discounter. Bei Aldi Süd heißt es dem Bericht zufolge: Bei Kameras im Kassenbereich sei sichergestellt, dass „die PIN-Eingabe keinesfalls einsehbar wird“. Dem widerspricht der „Spiegel“ unter Berufung auf ihm vorliegende Bilder. Diese zeigten eindeutig das EC-Karten-Terminal. Dieser Ausschnitt lasse sich so weit heranzoomen, dass jede einzelne Ziffer erkennbar werde.

Zudem würden Detektive des Unternehmens dem Bericht nach „in Verdachtsfällen“ zusätzliche mobile Minikameraanlagen installieren. Solche Anlagen seien bei Aldi Süd nicht nur in den Verkaufsräumen zum Einsatz gekommen, sondern auch dort, wo es keinerlei Kundenkontakt gibt. In seinen Zentrallagern habe der Discounter Mitarbeiter und Speditionsbeschäftigte überwacht.

In einigen Aldi-Filialen in Süddeutschland haben außerdem die Mitarbeiter selbst laut „Spiegel“ Kundinnen beim Einkauf heimlich gefilmt. Vor allem Frauen in kurzen Röcken oder mit ausgeschnittenen Tops seien im Visier der Filialleiter gewesen, sobald sie sich über Kühltheken gebeugt oder vor Regalen gebückt hätten, berichtete das Magazin. Die Filme seien auf CD gebrannt und untereinander ausgetauscht worden. Aldi Süd habe in einer Stellungnahme erklärt, dass „das Fehlverhalten eines einzelnen Mitarbeiters nicht ausgeschlossen“ werden könne.

Solche Vorwürfe sind nicht neu im deutschen Einzelhandel. Immer wieder gibt es Meldungen über den Einsatz von Spitzeln, Detektiven oder verdeckten Kameras. Häufig wird dies damit gerechtfertigt, Diebstähle und Überfälle verhindern zu wollen. Anfang 2008 war bekannt geworden, dass Lidl – nach Aldi die Nummer zwei auf dem Discountermarkt – seine Mitarbeiter systematisch überwacht und deren Verhalten während der Arbeit detailliert protokolliert hatte. HB

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