Wirtschaft : Beim Euro bleibt der Versicherungswert unangetastet

JÖRG KNOSPE

Höhere Rendite bei Lebensversicherungen erwartet / Viele Versicherer dürften frühzeitig auf die neue Währung umstellenVON JÖRG KNOSPEWenn ab Januar 1999 Beitragsrechnungen für die Auto-, die Hausrat oder die Rechtsschutzversicherung ins Haus flattern, wird sich mancher verdutzt die Augen reiben: Statt des erwarteten Rechnungsbetrags braucht er nur noch etwa die Hälfte zu bezahlen.Die Freude ist jedoch verfrüht, denn es handelt sich nicht um D-Mark, sondern Euro.Man wird aber auch feststellen, daß eine Überweisung in D-Mark genehm ist - dann aber, bitte schön, fast das Doppelte. Wie sich der Kunde auch entscheidet, am Wert, Umfang und der Gültigkeit des Versicherungsschutzes ändert sich nichts.Auf jeden Fall ist er nicht verpflichtet, vor dem 1.Januar 2002 in Euro zu zahlen oder das Einzugsverfahren umzustellen.Ohne seine Zustimmung kann ihm die Versicherung nichts anhaben.Gleichwohl wird der Euro auf den Beitragsrechnungen neben der Angabe in DM auftauchen.Viele Versicherer dürften bereits in der ersten Hälfte des neuen Jahres neben der D-Mark auch in Euro Beiträge berechnen und Leistungen erstatten, auch wenn es die neue Währung als Schein oder Münze noch gar nicht gibt.Ab dem 1.Januar 2002 müssen sie es in jedem Fall. Entschließt sich die Versicherung, bereits ab 1999 für Unfall und Sachschäden statt in Mark und Pfennig nur noch in Euro und Cent aufzukommen, so kann das dem Kunden egal sein.In der Abrechnung und auf dem Kontoauszug werden die Beträge in beiden Währungen genannt.Eine Barauszahlung erfolgt ohnehin bis auf weiteres nur in D-Mark.Allerdings werden die Unternehmen ihre Kunden fragen, ob sie ihr Bankkonto bereits in Euro führen.Dann begleichen sie Schäden, Arzt- und Krankenhausrechnungen, Ablauf- und Rentenleistungen der Lebensversicherung wunschgemäß direkt im neuen Geld. Die Währungsumstellung - nicht zu verwechseln mit einer Währungsreform - hat zur Folge, daß sich bei bestehenden Verträgen die vereinbarten Versicherungssummen ändern, in der Lebensversicherung auch die garantierten Leistungen und die bisher erreichte Überschußbeteiligung.Doch dies ist ein rein technischer Vorgang.Der tatsächliche Wert bleibt davon unberührt.Um die zugesagten Leistungen braucht sich kein Kunde zu sorgen, heißt es bei Allianz, Victoria und Goethaer unisono. Allerdings wird man sich an krumme Beträge gewöhnen müssen.Eine bestehende Hausrat- oder Unfallversicherung über 100 000 DM und eine Lebensversicherung über 150 000 DM tauchen dann vielleicht mit 51 753 bzw.77 625 Euro Versicherungssumme auf.Der genaue Umrechnungskurs wird spätestens am 1.Januar 1999 festgesetzt.Das Preis-Leistungsverhältnis bleibt gleich - so wie ein Kilometer durch Umrechnung in Zentimeter nicht länger und in Meilen nicht kürzer wird. Bestehende Versicherungen laufen weiter.Wegen der Währungsumstellung kann keiner vorzeitig aus dem Versicherungsvertrag - weder der Kunde noch die Versicherung.Seine Lebensversicherung kann man zwar jederzeit kündigen, doch ist das oft - auch aus steuerlichen Gründen - ein kapitales Verlustgeschäft, erst recht bei einem stabilen Euro.Doch selbst wenn die Euro-Pessimisten recht hätten, lohnt sich ein Ausstieg kaum: Die Abschluß- und Vertragskosten führen meist erst nach Jahren zu beträchtlichen Rückkaufswerten.Heute weisen die Inflationsraten und Zinssätze in den zehn oder elf voraussichtlichen Teilnehmerländern der Währungsunion durchweg ein niedriges Niveau auf.Ob dieser Hartwährungsblock Bestand hat, kann zwar keiner garantieren, doch hat sich auch gezeigt: Die Lebensversicherung ist über Jahrzehnte gegenüber den Ausschlägen des Kapitalmarktes ziemlich unempfindlich geblieben: Um kaum mehr als einen Prozentpunkt hat die Verzinsung des Sparanteils geschwankt. Der Euro kann sich für die Lebensversicherten sogar als Glücksfall erweisen: Es winken höhere Kapitalerträge, weil innerhalb der Währungsunion die leidigen Währungsrisiken und recht hohen Handelskosten für Wertpapiergeschäfte wegfallen.Dadurch kann die Branche ganz anders auf den bisher weitgehend vernachlässigten europäischen Aktien- und Rentenmärkten agieren und die Renditen breiter ausschöpfen.Die Kunden profitieren davon, denn dank einer besseren Mischung und Streuung der Anlagen steigt die Verzinsung ihres Sparkapitals. Wer zwischen Januar 1999 und dem Jahresende 2001 eine neue Versicherung abschließt, wird meist zwischen Mark und Euro wählen können.Glatte Summen für die Höhe des Versicherungsschutzes, für Selbstbeteiligungen, Entschädigungsgrenzen und Tagegelder sind wahlweise in beiden Währungen möglich - mit der Konsequenz krummer Zahlen in der anderen Währung.Es wird Unternehmen geben, die anfangs Policen nur in D-Mark und vielleicht nach ein oder zwei Jahren nur noch in Euro verkaufen.Auch können sie je nach Sparte und Kundengruppe unterschiedlich verfahren.Geschäftsleute akzeptieren Euro-Policen sicher eher als mancher Privatkunde.Bei langlaufenden Verträgen spricht viel für den Euro-Abschluß mit den glatten Summen, weil sich dann die spätere Umstellung erübrigt. Bei Jahresverträgen wie in der Autoversicherung ist es eher eine Frage der Mentalität - vielleicht auch der wachsenden Zuneigung zum neuen Geld.

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