Wirtschaft : Beim Fliesenleger auf Granit gebissen

Die Natursteinplatten auf unserer Dachterrasse verfärben sich mit den Jahren. Sind sie mangelhaft?

WAS STEHT INS HAUS?

Wir haben vor etwa drei Jahren auf der Dachterrasse unserer Eigentumswohnung neue Granitplatten verlegen lassen. Im Verlaufe des letzten Jahres zeigten sich an mehr als der Hälfte aller Granitplatten rostähnliche Verfärbungen. Diese Verfärbungen werden deutlich größer und nehmen in ihrer Anzahl zu. Nach unserer Meinung ist der Naturstein mangelhaft. Die Verlegefirma ist der Meinung, es läge an dem Verlegekies, der von uns besorgt wurde. Verfärbungen wären kein Mangel, weil der Stein ein Naturprodukt sei. Wir halten diese Auffassung für abwegig und bitten um eine Klärung.

WAS STEHT IM GESETZ?

Werden Natursteinplatten im Außenbereich eingesetzt, müssen sie die Anforderungen nach DIN EN 1341 erfüllen. Wendet man die Prüfverfahren dieser Norm an, kann die Eignung des Natursteins nachgewiesen werden. In dieser Norm ist jedoch nicht die mineralische Zusammensetzung eines Natursteins geregelt. Durch Bewitterung hervorgerufene Verfärbungen von Natursteinoberflächen, wie in Ihrem Falle, sind auf verfärbungsverursachende mineralische Bestandteile des Steins zurückzuführen. Ein Bestandteil im Granit ist Biotit-Glimmer. Wird durch Bewitterung aus dem Biotit- Glimmer Eisen freigesetzt, beginnt die Oberfläche des Steins, sich gelblich- braun zu verfärben. Es entsteht Eisenhydroxid. Das heißt, die eisenhaltigen Bestandteile Ihres Granits haben die Oberfläche erreicht und beginnen zu korrodieren. Diesen Prozess nennt man Limonitisierung. Dafür ist es unerheblich, welche Verlegeart und welches Verlegematerial von Ihnen ausgesucht wurde. Der Korrosionsfortschritt ist auch nicht von der Drainierfähigkeit des Terrassenunterbaus, sondern wesentlich von der Konzentration der Graniteinschlüsse abhängig. Der Limonitisierungsprozess lässt sich auch nicht durch chemische Oberflächenbehandlung aufhalten. In der Regel verstärkt sich die Eisenhydroxidbildung sogar noch durch Oberflächenbehandlungen und chemische Reinigungsversuche. Kurz gesagt: Solche Gesteinsverfärbungen sind natürlich bedingt und schwer zu verhindern.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Bei der Natursteinauswahl sollte ein Fachmann Sie zu den Risiken der mineralischen Zusammensetzung beraten. Granite Mitteleuropas haben bei Bewitterung häufig günstigere mineralische Zusammensetzungen als Granite, die aus anderen Abbaugebieten der Welt stammen. Ihre Firma hätte Sie vor dem Materialeinbau darüber aufklären müssen, ob es später zu natürlichen Verfärbungen kommen kann und wie groß das Risiko hierfür ist. Darin besteht ein Beratungsmangel. Praktische Fälle der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass heimische Granite weniger zu witterungsbedingten Verfärbungen neigen als aus Übersee importierte Gesteine. Auch wenn Gesteine aus Übersee häufig einen Preisvorteil bieten, sollte neben der Qualität auch bedacht werden, dass diese Steine über weite Strecken auf dem Seeweg transportiert werden, was wenig umweltfreundlich ist.

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