Wirtschaft : Beim Investment in Berliner Werte gibt es nur wenig Auswahl

DANIEL RHEE-PIENING

Die Gründung geschah sozusagen fünf Minuten vor zwölf. 1989 schoben die damals noch drei Berliner Genossenschaftsbanken die Gründung der Investmentgesellschaft Berlin mbH (IGB) an. Den Genossen in Berlin ging es um die Nutzung von Vorteilen der Berlinförderung. Als es jedoch richtig losgehen sollte, waren diese entfallen. Übrig geblieben sind bis heute drei Namen: Der IGB Berlin Rent, der IGB Rent K und der IGB Berlin Invest.Sein "Geburtsdatum" gibt der IGB Berlin Invest mit dem 22. April 1991 an. Dieser Fonds, aufgelegt in der Euphorie der Wiedervereinigung, sollte vor allem Berliner Titel in sein Portfolio nehmen und so die Zeichner an den blühenden Landschaften insbesondere um die neue Hauptstadt teilhaben lassen. Heute werden die IGB-Fonds von der Union-Investment-Gesellschaft mbH, Frankfurt (Main), der Investmentgesellschaft des Verbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken verwaltet. "Wir haben den Namen IGB beibehalten, um den Anlegern Kontinuität zu bieten", erklärt Union-Pressesprecher Rolf Dress, gibt aber auch zu, der direkte Berlin-Bezug sei eher eine Marginalie.Auch die Struktur des Fonds hat sich längst geändert. Nur mit Berliner Werten im Portefeuille läßt sich kein Staat mehr machen, dies ist kein Geheimnis. Und inoffiziell heißt es sogar, daß der Fonds nie einen Schwerpunkt in Berlin hatte. Bewag oder Schering waren nie in herausragender Position vertreten. Einzig Herlitz schaffte es im Sommer 1994 auf Anteile von rund zwei Prozent.Heute bezeichnet sich der IGB Berlin Invest als "Aktienfonds mit internationalen Qualitätswerten". Tatsächlich liegt sein Schwergewicht aber auf deutschen Aktien. Sieht man sich beispielsweise die Struktur im Dezember 1998 an, so war das Vermögen zu 5,9 Prozent in Allianz-Titeln, zu 4,8 Prozent in Nokia-Aktien, zu 4,4 Prozent in Daimler-Werten, zu 4,0 Prozent in SAP-Titeln und zu 3,4 Prozent in Mannesmann-Papieren investiert. Insgesamt machte der Aktienanteil im Berichtsmonat 88,5 Prozent aus. 59,3 Prozent waren deutsche Werte. Die Performance seit der Gründung erreichte im Dezember des vergangenen Jahres 149,7 Prozent.Anfangs, weiß Dress, hatte der Fonds auch einen "ganz netten" Verkaufserfolg, was auch daran gelegen haben mag, daß die Berliner Genossenschaftsbanken einen Teil ihrer Mittel in den Fonds anlegten. Doch diese wurden längst zur Sanierung der eigenen Institute abgezogen. Mit jeweils über 50 Mill. DM gab es auffällige Mittelabflüsse im September 1995, im Juli 1996 und im April 1997. Ende des vergangenen Jahres lag das Fondsvermögen noch bei 55,5 Mill. DM. Im April 1994 hatte es noch bei über 200 Mill. DM gelegen. Fazit: Der IGB Berlin Invest ist ein kleiner Fonds im großen Union-Angebot der keineswegs nur ein Schattendasein führt. Aber: Der BerlinBezug besteht nur noch im Namen.Konsequenter ausgerichtet ist da der am 15. März 1994 aufgelegte Aktienfonds Berlinwerte Weberbank OP. Verwaltet wird der Fonds von der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Die Mindestanlagesumme bei diesem Fonds beträgt 10 000 Euro, allerdings sind auch regelmäßige Sparraten von mindestens 200 DM möglich. Im Prospekt vom Mai diesen Jahres heißt es, der Fonds wolle die besonderen Wachstumschancen der Bundeshauptstadt in den nächsten Jahren nutzen. Die Investments erfolgten vorwiegend in Aktien von Unternehmen, die ihren Sitz in Berlin haben, oder überwiegend dort tätig sind, und es solle ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Standard- und Spezialwerten erreicht werden. Enthalten sind auch Werte, die man auf den ersten Blick nicht mit Berlin verbindet, die aber ihren Sitz auch in der Hauptstadt haben, erläutert Michael Graf Strasoldo, Mitglied der Geschäftsführung der Weberbank Berliner Industriebank. "Die Kernanlagen sind die großen Werte Allianz, Siemens und Schering. In Aktien dieser Unternehmen sind jeweils knapp zehn Prozent der Fondsmittel investiert", so Graf Strasoldo. Daneben hält der Fonds nahezu alle Berliner Werte, die am Frankfurter Neuen Markt beziehungsweise im Berliner Freiverkehr notiert sind. Europäische Aktien sind nur zu einem ganz geringen Teil als "Stabilisatoren" enthalten. "Der Investor hat also tatsächlich Anteil an dem explodierenden Markt der Internet- und Softwarefirmen im Berliner Raum", betont Graf Strasoldo. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Seit seiner Auflegung hat der Fonds einen Wertzuwachs von insgesamt 66 Prozent oder rund zehn Prozent per anno gehabt. Vertrieben wird der Fonds in erster Linie von der Weberbank Deutsche Industriebank, und von Sal. Oppenheim. Daneben kann er aber auch in jedem anderen Institut gekauft werden. Bisher haben erst relativ wenige Investoren zugegriffen. Das Fondsvolumen hat sich bei rund 15 Mill. Euro eingependelt, doch Graf Strasoldo sieht es eher positiv, wenn man den Fonds einen "Spezialitätenfonds" nennt.

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