Wirtschaft : Beim Ladenschlussgesetz blieb letztlich alles beim Alten

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Für kurze Zeit hatte es schon danach ausgesehen, als ob Deutschland den jahrzehntelangen Streit um den Ladenschluss 1999 ein für allemal beenden würde. Der Aufstand einzelner "Rebellen" - allen voran der Berliner Kulturkaufhaus-Eigner Dussmann - fand zunehmend Nachahmer, die die Lücken im Gesetz ausloteten, und bald auch die Unterstützung einiger Landesregierungen, vor allem in den neuen Bundesländern. Es gab kein Halten mehr, die Deutschen schwelgten im Kaufrausch - auch sonntags. Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern wurden flächendeckend zum "Ausflugs- und Erholungsgebiet" erklärt, in Berlin startete der Tabakhändler Eberhard Wolff eine Unterschriftenaktion gegen das Ladenschlussgesetz, und Günter Biere, Chef des Kaufhofs am Alexanderplatz, deklarierte sein gesamtes Angebot als "Souvenir"-Artikel. "Im nächsten Jahr gibt es keinen Ladenschluss mehr", prognostizierte Karstadt-Konzernchef Walter Deuss. Er irrte. Zwar legten Ifo-Institut und die Sozialforschungsstelle (sfs) Dortmund Mitte Oktober die beiden langersehnten Gutachten zum Ladenschluss vor - die Politiker aber lasen darin ganz Unterschiedliches. Die Bundesregierung sieht jedenfalls "keinen akuten Handlungsbedarf", vor den Landtagswahlen im kommenden Frühjahr wird keine Entscheidung fallen. Der Streit wird weitergehen.

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