Wirtschaft : Beirut von oben

Tewe Pannier

Das erste Mal nach dem Sommerkrieg wieder nach Beirut. Schon im Flugzeug der Middle Eastern Airline schmeckt es nach dem Libanon und seiner Lebensart: Die Stewards und Stewardessen behandeln jeden Passagier wie ein Familienmitglied. Den Wein aus der Bekaa-Ebene schenken sie reichlich aus, und als Anrede für jeden verwenden sie „Habibi“ – „Mein Liebster“. Hat ein Fluggast großen Hunger, gibt es Lamm auf Rosinenreis eben zweimal.

Die jüngeren Libanesinnen – alle mit Couture-Klamotten, viele mit Brust- und Gesichtsimplantaten ausgestattet – pendeln in hoher Frequenz zu den Waschräumen. Sie überprüfen Maske und Garderobe. In einer Reihe der Economy-Klasse wird eine Art Party gefeiert: Zwei Männer und vier Frauen scherzen, lachen, prosten sich zu. Die Männer „rauchen“ dicke Zigarren, saugen immer wieder dran, obwohl sie gar nicht angezündet sind. Die Business-Klasse wird ihrem Namen gerecht: Mein Partner Nabil residiert auf der Armlehne seines Ledersitzes, um ihn herum Freunde und Geschäftspartner, alle zufällig auf diesem komplett ausgebuchten Flug von Dubai. Ein Scheich in Dischadasha und rot-weißem Kopftuch geht auch in den Waschraum. Er hat Gepäck dabei und erscheint nach fünf Minuten wieder: Er zwinkert mit dem Auge und sagt: „Jetzt bin ich bereit für Beirut.“

Ist Beirut bereit für seine Gäste? Für die Männer vom Golf, die an den letzten Tagen des Eid, des Zuckerfestes, feiern wollen. Für die Medienleute, die nach Krieg und Ramadan wieder mit einem der 22 TV-Sender oder den vielen Werbeagenturen dealen. Besonders für die Männer aus der Immobilienbranche? Die Milliardenspenden der arabischen Brüderländer zum Wiederaufbau müssen schnell verbaut werden.

Draußen schimmern jetzt Millionen Lichter, wie ein Kranz aus Glitzersteinen schmiegt sich das nächtliche Beirut ans Mittelmeer. Es ist still geworden an Bord. Wer kann, blickt aus dem Fenster. Zwei Lichter da unten gehören Abu Hassan, unserem Beiruter Taxifahrer, der sich zur Abholung am Flughafen durcharbeitet. Sein Dorf im Südlibanon, weiß ich aus den Nachrichten, ist im Krieg stark zerstört worden. Aber Hassan gibt nicht auf. Und ist damit ein typischer Vertreter seines Landes.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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